cinematograph 

Museumstraße 31   T 0 512 560470  50

leokino

Anichstraße 36   T 0 512 560470

Cinematograph-Filmverleih


cinematograph·leokino fördert mit dem Betrieb eines eigenen Filmverleihs die Sichtbarkeit von Arthouse Filmen in Österreich, insbesondere Filme aus dem Süden und Osten sowie Filmklassiker.
Arthouse distribution for the territory of Austria, specialized in films from the South and the East and classical movies.
Programming Director/Programm-Direktorin: Tanja Helm, tanja.helm at opi.at


Otto Preminger Institut, Verein für audiovisuelle Mediengestaltung (OPI)
Innrain 37a, 6020 Innsbruck, Austria (EU), Tel. +43 512 560470
Mitglied b.d. Wirtschaftskammer Tirol
UID Nr: ATU 36818805
ZVR-Zahl: 332863414



Filme im Cinematograph-Filmverleih (Auswahl):

LUZZU
R: Alex Camilleri – Malta – 2021
Jesmark, ein erfolgloser Fischer auf der Insel Malta, ist gezwungen, die Tradition seiner Familie hinter sich zu lassen und alles zu riskieren, indem er sich in die Welt der Schwarzmarktfischerei begibt, um seine Freundin und sein neugeborenes Baby zu versorgen.
Die wunderschönen Aussichten auf Malta sind uns wohl bekannt aus Hollywood Filmen und Urlaubsprospekten. Dieser Film aber dreht sich um die Menschen, die dort wirklich leben, um die Sorgen und Ängste und die Dinge, die ein Mensch tun muss. „Luzzu“ ist die Bezeichnung der traditionellen bunten Fischerboote Maltas. (th)
Malta 2021; Buch und Regie: Alex Camilleri; Kamera: Léo Lefèvre; Darstellerinnen: Jesmark Scicluna (Jesmark), Michela Farrugia (Denise), David Scicluna (David), ua; (DCP, 94min, Farbe, maltesisch MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN)


KUESSIPAN
R: Myriam Verreault – Kanada – 2019
Eine Liebeserklärung an Québecs Innu-Community: Die Adaption des gleichnamigen Romans erzählt auf humorvolle und berührende Weise vom Erwachsenwerden zwischen Tradition und Moderne. Mikuan und Shaniss wachsen zusammen in einer Innu-Gemeinde in Québec auf. Die beiden Mädchen sind seit ihrer Kindheit beste Freundinnen und haben sich geschworen, immer füreinander da zu sein. Doch mit der Pubertät kommen die Probleme und eine erste Liebe. Mikuan möchte sich von den Fesseln ihrer Herkunft befreien und träumt von einem Leben ausserhalb des Reservats - von Bildung und ihrem Freund. Ein Riss geht durch die Freundschaft und durch die Beziehung Mikuans zu ihrer Familie.
Kanada 2019, Regie: Myriam Verreault; Buch: Myriam Verreault, Naomi Fontaine; Kamera: Nicolas Canniccioni; Darstellende: Brigitte Poupart (Professeur Mikuan), Étienne Galloy (Francis), Martin Desgagné (Workshop host), Sharon Ishpatao Fontaine (Mikuan Vollant), ua; (DCP; 117min; Farbe; 1:1,85; Montagnais-Cree-Sprache, französische, englische ORIGINALFASSUNG MIT UNTERTITELN)


CARELESS CRIME
R: Sharam Mokri – Iran – 2020
Während des Aufstandes zum Sturz des Schah-Regimes im Iran setzten Demonstranten Kinos in Brand, um ihren Widerstand gegen die westliche Kultur zu zeigen. Viele Kinos wurden niedergebrannt. In einem tragischen Fall wurde ein Kino in Brand gesetzt, in dem sich vierhundert Menschen befanden. 40 Jahre sind vergangen, und im heutigen Iran beschliessen vier Personen, ebenfalls ein Kino niederzubrennen. Ihr Ziel ist ein Kino, in dem ein Film über eine nicht ausgegrabene, nicht explodierte Rakete gezeigt wird. Werden sich Vergangenheit und Gegenwart treffen?
Iran 2020, Regie: Sharam Mokri; Buch: Nasim Ahmadpour, Shahram Mokri; Kamera: Alireza Barazandeh; Darstellende: Babak Karimi (Mohsen), Razie Mansori (Elham), Abolfazl Kahani (Takbali) ua; (DCP; 134min; Farbe; Farsi ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


LA CORDILLERA DE LOS SUEÑOS
R: Patricio Guzmán – Chile – 2019
Nachdem Patricio Guzmán für NOSTALGIA DE LA LUZ in die Atacama-Wüste im Norden Chiles gereist war und für EL BOTÓN DE NÁCAR nach Patagonien in den tiefsten Süden, befasst er sich im letzten Teil der Trilogie zur Heimat mit der zentralen Andenkette und dem Gedächtnis der bewegten Bilder. Persönlich sind alle seine Filme, aber in mancherlei Hinsicht ist dieser der intimste, der den Künstler bis zurück in die Ruinen des Hauses seiner Kindheit führt.
Es ist der persönlichste Film des 1941 geborenen Chilenen Patricio Guzmán geworden. Neben den Bergen, die Chiles Landschaft dominieren, beschäftigt ihn die Geschichte des Landes. Somit steht das, was man Erinnerung nennt auch in LA CORDILLERA DE LOS SUEÑOS wieder im Zentrum, und Erinnerungen sind heute mehr denn je mit Bildern verbunden, die gemacht werden. Guzmàn betrachtet die Natur seiner Heimat als Sinnbild der politischen Geschichte von revolutionärer Utopie, faschistischer Diktatur und neoliberalem Raubbau. Nach der Atacama-Wüste und dem Wasser des Pazifiks widmet er sich nun dem Anden-Massiv, der Kordillere. 80 Prozent der Oberfläche Chiles macht es aus und bleibt doch ein blinder Fleck im chilenischen Bewusstsein. Patricio Guzmán führt uns, begleitet und geleitet von seiner sanften Stimme und einem persönlichen Text, sowohl hin zu politischen Fragen und ökonomischen Realitäten des Landes als auch hinein ins künstlerische Verarbeiten und ins Bildermachen. Sein Film ist ein Werk der Bewusstmachung, eines, das nicht zuletzt die Frage nach dem Sinn der Bilder stellt in einer Zeit, in der alle, die ein Mobiltelefon besitzen auch Filme machen können. (aus: trigon-film.org)
Chile/Frankreich 2019; Regie & Buch: Patricio Guzmán; Kamera: Samuel Lahu; Schnitt: Emmanuelle Joly; Mitwirkende: Jorge Baradit, Vicente Gajardo, Francisco Gazitúa, Pablo Salas; (DCP; Farbe; 84min; spanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


WENDY
R: Benh Zeitlin
In WENDY erzählt Benh Zeitlin die Peter Pan-Geschichte auf seine Weise neu: Ein junges Mädchen wird entführt und auf eine geheimnisvolle Insel gebracht. Hier kämpfen zwei verfeindete Stämme um eine mysteriöse, pollenähnliche Substanz, die es den auf der Insel lebenden Kindern erlaubt, dem eigentlich unvermeidlichen Fortschreiten der Zeit und des Alterns davonzulaufen. Sie lernt einen sorglosen, abenteuerlustigen Jungen kennen, der auch auf keinen Fall erwachsen werden will und stets der Freiheit, der kindlichen Freude am Leben und dem Spaß hinterherjagt. Er und Wendy bewegen sich in einen Strudel aus Jugend und Kindheit, Freundschaft und Liebe, während um sie herum alles auf eine Zerstörung zusteuert.
USA 2020; Regie: Benh Zeitlin; Buch: Benh & Eliza Zeitlin; Kamera: Sturla Brandth Grøvlen; Musik: Dan Romer & Benh Zeitlin; DarstellerInnen: Devin France (Wendy), Yashua Mack (Peter), Gage Naquin (Douglas), Gavin Naquin (James) u.a.; (DCP von 16mm; Farbe; 111min; englische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


WILDES INNSBRUCK
R: Patrick Centurioni
Die Konsequenzen von Tourismus und Freizeitverhalten, Eingriffe durch Industrie und Verkehr wie auch die notwendigen Siche­rungs­maßnahmen gegen Naturgewalten wie Lawinen und Murenabgänge zwingen die Tierwelt an eine kreative Anpassung und Neuorientierung in ihren Lebensräumen nahe der alpin-urbanen Großstadt Innsbruck.
Österreich 2019; Regie: Patrick Centurioni; (DCP; 45min).


MK – WOHNZIMMER EINER GENERATION
R: Marc Brugger
„Unter den Jugendhausbesuchern ist eine heftige Diskussion ausgebrochen: Soll das Haus für den geplanten Elternabend tipptopp aufpoliert oder aber den Eltern ein realistischer Alltagseindruck vermittelt werden? Die Realisten setzten sich durch und fielen abends auf die Nase. Die Diskussion drehte sich nicht um das angesetzte Thema ‚Som­merfreizeit’ (...), sondern um Dreck, Sauerei, Verwahrlosung.” (aus: „Hören was die Jungen sagen – Begegnungen im Jugend­zen­trum”, Sigmund Kripp – 1984)
Die Innsbrucker MK, die Maria­ni­sche Kongregation am Jesuiten­kolleg, erlebte nach 400 Jahren in den 70er-Jahren den Aufstieg zum größten Jugend­zen­trum Europas. Zu Spitzenzeiten zählte es an die 1.500 Mit­glieder, Kin­­der und Jugend­liche aus der Tiroler Landes­haupt­­stadt und der nächsten Umgebung. Auf­ge­baut hat es der Je­sui­tenpater Sig­mund Kripp, der die MK 1959 als 29-Jähriger übernommen hatte und mit dem John F. Ken­nedy-Haus jungen Menschen eine zweite Heimat, eine zweite Familie gab. Und der mit seinen für die damalige Zeit unkonventionellen, ja ket­­zerischen Me­thoden in den Kon­flikt mit der Amts­kir­che geriet und im Mit­tel­punkt ei­nes der größten Kir­chen­skan­dale in der Ge­schichte Tirols stand. Doch was machte dieses Ju­gend­zentrum so an­ders? Warum wur­­­de es zum Wohn­zimmer einer ganzen Generation Innsbrucker Ju­gendlicher? Und welchen Einfluss hatte diese Zeit und diese Er­fahrungen auf das spätere Leben der Erwachsenen?
Eine Generation von Gymnasiasten und HochschülerInnen, die frei von indoktrinierten, politischen Ideologien aufwuchs und später Schlüs­sel­po­sitionen in der Stadtverwaltung, Landesregierung und Kunst- und Kul­­turszene einnahmen. Die Ge­schichte der Gene­ration „68er”, die den Aufbruch in eine neue Gesell­schaftsära in Tirol be­gleitet und maßgeblich mitgetragen hat. (Wildruf Film)
Österreich 2018; Re­gie & Buch: Marc Brug­ger; Produzent: Bernhard Holz­hammer (Wildruf Film); Bild­gestaltung: Victor Kössl & Franco Marco Avi; Schnitt: Fran­­­co Marco Avi & Bernhard Holzhammer; Ton­­mi­schung: Peter Rös­­ner; Visuelle Gestaltung: Judith Holzer; Musik-Arrangement: Kenneth Wink­ler & Philipp Ossanna; Mitwirkende: Sigmund Kripp, Andrea & Werner Schwab, Thomas Posch, Richard Plaikner SJ, Rudolf Kerschbaumer SJ, Enrico Ric­cabona, Adi Liener, Lilo Pleyer, Klaus Rohrmoser, Peter Lindenthal, Chris­toph Frischhut, Marcus Riccabona, Werner Haupt u.a.; (DCP; 1:1,85; Farbe; 73min).


IL MANGIATORE DI PIETRE THE STONE EATER (DER STEINGÄNGER)
R: Nicola Bellucci
In einem abgelegenen Tal im Piemont findet der frisch aus dem Gefängnis entlassene, ehemalige Schmuggler Cesare (Luigi Lo Cascio) die Leiche seines Neffen Fausto. Die beiden haben einst zusammengearbeitet. Dies endete jedoch, als Fausto begann mit Drogen zu handeln. Unter der Leitung von Kommandant Boerio (Leonardo Nigro) nimmt die örtliche Polizei die Aufklärung des Mordes auf und schon bald gerät Cesare ins Visier der Ermittler. Nur die Mailänder Kommissarin Sonia di Meo (Ursina Lardi) schaut hinter die Fassade.Drogen und Kriminalität sind auch in der neuen Generation ein Thema. Sergio (Vincenzo Crea), ein Junge aus dem Dorf, will um jeden Preis der Enge des Tals entrinnen. Durch Zufall entdeckt Sergio auf der Alp zurückgelassene Flüchtlinge und sucht bei seinem Vorbild Cesare Hilfe. Widerwillig stimmt Cesare zu, dem Jungen beim Schleusen der Flüchtlinge über die Berggrenze zu helfen. Doch der Plan gerät unerwartet in Gefahr.
«IL MANGIATORE DI PIETRE» ist die Verfilmung von Davide Longos Bestseller «Der Steingänger»,der aufgrund des aktuellen Flüchtlingsdramas nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat.
Italien/Schweiz 2018; Regie: Nicola Bellucci; Buch: Hans W. Geissendörfer, Marco Colli, Nicola Bellucci; Kamera: Simon Guy Fässler; Schnitt: Roberto Missiroli; DarstellerInnen: Luigi Lo Cascio, Vincenzo Crea, Bruno Todeschini, Sonia di Meo, Ursina Lardi, Leonardo Nigro, Lidiya Liberman, Elena Radonicich, Antonio Zavatteri u.a; (DCP; Farbe; 109min; italienische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


4640 km – A JOURNEY TOWARDS HOPE
R: Helene Senfter
4.640 km hat eine syrische Flüchtlingsfamilie auf ihrer Flucht bis nach Innsbruck zurückgelegt. Die Mutter Manar war in Syrien Englisch­professorin, ihr Mann hatte eine eigene Rechts­anwalts­kanzlei.
Für ein besseres Leben in Sicherheit begeben sie sich in die Hände von Menschenschmugglern. Als sie nach einer beschwerlichen Flucht über die Grenze nach Österreich kommen, freuen sie sich, endlich am Ziel zu sein. Doch sie werden auch hier von einem Ort zum nächsten geschickt. Ein Ende ihrer Reise scheint noch lange nicht in Sicht.
Der Film zeigt, wie schwer es ist, das Heimatland zu verlassen, sich von Freunden und Verwandten zu trennen und in die ungewisse Zukunft zu begeben – wissend, vieles zu verlieren, was man gemeinsam aufgebaut hat. Die Regisseurin, Helene Senfter, Absolventin des Medienkollegs Innsbruck, dokumentiert rückblickend diese Reise und gibt einen berührenden Einblick in das Schicksal der Familie. 4640 km – A JOURNEY TOWARDS HOPE berührt, informiert und prägt auf eine persönliche Art und Weise.
Österreich 2016; Buch, Regie, Schnitt & Ton: Helene Senfter; Kamera: Helene Senfter, Martin Danler, Johannes Senfter; Mitwirkende: Manar Qasim, Mo­hammad Louay Taha, Lana Khalid und Hanan Taha; (DCP; Farbe; 16:9; 43min; englische ORIGINALFASSUNG).


A MAN OF INTEGRITY (LERD)
R: Mohammad Rasoulof
A Man of Integrity gewann in Cannes den Preis der Sektion «Un Certain Regard». Der engagierte Filmemacher Mohammad Rasoulof erzählt von Reza, der sich aus der Stadt zurückgezogen hat und mit Frau und Kind ein beschauliches Leben als Fischzüchter in einem Dorf im Norden Irans führt. Doch auch auf dem Land herrschen Korruption und Gewalt. Ein Grossfabrikant, der beste Beziehungen zur Regierung unterhält, zwingt die lokalen Bauern und kleinen Unternehmer mit allen Mitteln in ein Netz der Abhängigkeit. Packendes Kino.
Rasoulof zögert nicht: Von den ersten Bildern an macht er spürbar, dass in der beschaulichen Region, in der er seinen Film angesiedelt hat, ein Drama schlummert. Reza bekommt von einem Bankangestellten erklärt, wie er die Regeln umgehen kann und seine Schulden nicht zurückzahlen muss. Man kann sich den Mut vorstellen, den es für die gesamte Filmequipe braucht, sich in ein Projekt zu stürzen, das so brennend aktuelle und heisse Themen anspricht wie die Korruption im Land. Auch hier in der iranischen Provinz, die so friedlich ausschaut, während jeder seine Spiele treibt – zum schieren Überleben. Der Direktkeit, in der Mohammad Rasoulof erzählt und Dinge anspricht, die anzusprechen tabu sind, gebührt Respekt; die visuelle Kraft und die packende Erzählung tragen dazu bei, dass der Film auch weltweit wahrgenommen wird. Der Filmemacher begnügt sich nicht mit der Beschreibung eines sozio-politischen Zustands. Seine Figuren wirken real, aus dem Leben gegriffen und im Leben kämpfend. Im Fall von Reza und seiner Frau: um die schiere Würde. Wie können sie reagieren und sich verteidigen angesichts der Angriffe, denen sie ausgesetzt sind?
Zu Rasoulofs Kunst gehört es, die privaten Konflikte mit den ökonomischen in Beziehung zu setzen. So wird A Man of Integrity auch zu einem Genrefilm voller Suspense, in dem die Figuren ums Überleben kämpfen. Die Erzählung wird getragen von naturalistischen Bildern und einer ultra-minimalistischen Tonspur, die mit den Geräuschen der Natur arbeitet und uns die Chance gibt, uns auf das Geschehen einzulassen. Es ist ein Film, der tief verwurzelt ist im iranischen Leben, der aber gleichzeitig eine universelle Reflexion entwickelt, indem er fragt: Wie weit kann ein Mensch seine Integrität behalten, wenn er gegen ein korruptes System antreten muss?
Iran 2017; Regie: Mohammad Rasoulof; Buch: Mohammad Rasoulof; Kamera: Ashkan Ashkani; Musik: Peyman Yazdanian; DarstellerInnen: Reza Akhlaghirad,Nasim Adabi, Zeinab Shabani, Missagh Zareh, Mehdi Mehraban, uvm.
(DCP; 117min; Farbe; Farsi ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



CHIPPED – A SKATEBOARD MOVIE INSIDE AND OUTSIDE THE AUSTRIAN BORDERS
R: Peter Mader
Jeder Skater kennt das Problem. Trick versaut, Brett falsch aufgeschlagen und schon fliegt einem die Nose oder Tail in tausend Teilen um die Ohren. Dabei nicht mental instabil zu werden, fällt oft schwer. Auch bei den Dreharbeiten zu diesem Skateboard Film wurden einige Boards verbraucht und weitaus mehr starke Nerven gefordert. CHIP­PED zeigt dabei dennoch den Spaß, den Skateboarden trotz aller Strapazen mit sich bringt. (P. Mader)
Österreich 2017; Regie: Peter Mader; DarstellerInnen: Ben Dillinger, Christoph Weberhofer, Simon Meister, Mike Gredler, Fabian Müller, Fabian Trojer; (DCP; 35min).


PATTI CAKE$
R: Geremy Jasper
Patricia Dombrowski wird nicht nur Patti Cake$ oder auch Killa P genannt, sondern wegen ihres Nachnamens und ihres Körperumfangs häufig als „Dumbo“ gehänselt. Doch dies lässt die Jugendliche aus einer Kleinstadt in New Jersey an sich abprallen. Ihre Nana, eine Frau mittleren Alters, sitzt den ganzen Tag rauchend in ihrem Sessel, als wäre es ein Thron und schaut fern. Patti muss als Sängerin in Einkaufszentren, Bars und Strip-Clubs Geld verdienen, um die Arztrechnungen ihrer kranken Mutter zu finanzieren. Ihre Mutter selbst war als Musikerin gescheitert, Patti jedoch hat nicht nur eine große Klappe, sondern auch ein festes Ziel vor Augen und will Ruhm als Gangsterrapperin erlangen. Sie wird hierbei von ihren einzigen Freunden unterstützt, ihrem Best Friend Forever, jedoch manchmal etwas anstrengenden Rap-Partner Hareesh/Jheri, der gleichzeitig auch ihr größter Fan ist, und von Basterd, der eigentlich Gothic Metal mag, aber in der Lage sein könnte, Pattis Träume wahr werden zu lassen, denn die Nachwuchsrapperin sucht einen Produzenten, der ihr Zugang zur Hip-Hop-Szene verschafft.
USA 2017; Regie & Buch: Geremy Jasper; Kamera: Federico Cesca; Schnitt: Brad Turner); DarstellerInnen: Danielle Macdonald (Patti Cake$), Siddharth Dhananjay (Jheri), Mamoudou Athie (Basterd), Sahr Ngaujah (O-Z) u.a.; (DCP; 1:1,85; Farbe; 109min; englische ORIGINALFASSUNG MIT DEUT­SCHEN UNTERTITELN).


WAJIB (WAJIB – DIE HOCHZEITSEINLADUNG)
R: Annemarie Jacir
Der in Rom lebende Architekt Shadi ist zu Besuch in seinem Heimatort Nazareth. Er soll dem Vater dabei helfen, die Einladungen zur Hoch­zeit seiner Schwester persönlich zu überbringen, wie dies in Palästina traditionell gemacht wird. Wir erleben die Tücken einer Vater-Sohn-Beziehung und tauchen ein in die Gegenwart Nazareths. Besonders reizvoll dabei: Mohammad Bakri und Saleh Bakri sind auch im wirklichen Leben Vater und Sohn. (trigon-film)
Annemarie Jacir: „Wajib gibt es rund um den Erdball. Einfach gesagt, geht es um gesellschaftliche Verpflichtungen oder Handlungen, die von der Familie und der Gesellschaft erwartet werden. (…) Ich fand die Idee spannend, zwei Menschen in einen Wagen zu schließen, wo sie gezwungen sind, einander gegenüberzutreten, miteinander zu reden, wo sie keine Fluchtmöglichkeit haben, fast wie im Gefängnis. Das Auto ermöglichte es mir, die Charaktere ganz privat zu zeigen, so wie sie sind, im Gegensatz dazu, wie sie sich bei den Verwandten, also in der Öffentlichkeit geben, wenn sie von Haus zu Haus ziehen. Mir schien es auch attraktiv, den Film entlang eines einzigen Tages zu strukturieren.” (Trigon-Magazin 80)
„Das reale Vater-Sohn-Gespann der Schauspieler Mohammad und Saleh Bakri fügt dem tragischen Hintergrund eine gehörige Portion Humor bei.” (Neue Zürcher Zeitung)
Palästina/Frankreich 2017; Regie & Buch: Annemarie Jacir; Kamera: Antoine Heberle; Musik: Carlos Garcia; DarstellerInnen: Mohammad Bakri (Abu Sha­di), Saleh Bakri (Shadi), Tarik Kopty (Abu Murad), Monera Shehadeh (Um Murad), Lama Tatour (Maria), Maria Zreik (Amal), Samia Shanan (Die Witt­we) u.a.; (DCP; Farbe; 96min; arabische ORIGINALFASSUNG MIT DEUT­SCHEN UNTERTITELN).


LAST FISHERMAN
R: James Stier
Malcolm Baker ist der letzte Fischer auf der Halbinsel Rame in Cornwall. Seine Hände sind stark und knorrig, das Meer, das sich in seinen Augen spiegelt, hat auch sein Gesicht gegerbt. Und mit 71 Jahren arbeitet er im­mer noch mit den überlieferten Metho­den, wie er sie selbst erlernt hat.
Seinen Heimatort Kingsand hat er nie ver­­lassen. Und doch hat sich in all den Jahren vieles verändert: Aus dem Arbeiterdorf wurde eine Tourismusdestination, in der sich Wohlhabende einen Zweitwohnsitz leisten. Und so folgen auf einsame Winter laute Sommermonate. Gleichzeitig kreuzen große Industrieschiffe auf dem Meer, die Fische in riesigen Mengen fangen. Doch nur was kommerziell interessant ist, kommt auf den Markt, der Rest wird einfach wieder ins Meer geworfen. Für kleine Holzboote, kleine Netze und nachhaltige Krabbenkör­be scheint kein Platz mehr zu sein. Aber Malcolm kann nicht nur auf die Unterstützung seiner Familie zählen, sondern unverhofft auch auf Jugendliche aus Tirol.
LAST FISHERMAN, der in Zusammenarbeit mit der AK Tirol entstanden ist, erzählt die Geschichte von Malcolm Baker und den Fi­­scherdörfern Kingsand und Cawsand. Er erzählt auch von Malcolm und Leo Kaserer, ihren gegensätzlichen Welten, wie junge Tiroler vom „Last Fisherman” lernen und damit Hoffnung für nachhaltige Fischerei auf der Halbinsel Rame bringen.
Großbritannien/Österreich 2015; Regie: James Stier; Erzählung: Roy Cham­berlain; Kamera: Shaun Olver, John Carter, Gary Taylor, Mark Lomas, James Stier, James Copson; Produzenten: Leo Kaserer, James Stier; Musik: Rame Peninsula Choir – Jesse Grande, David Löhstana, Mathew Morgan, Rob Costlow; Mitwirkende: Malcolm Baker, Ina Ligges, John Shepherd, Jane Baker, Steve Radley, Sharan Betteridge, Chris Spencer, Erwin Zangerl, Chris Cook, Jerome Leopold, Jack Baker, Ted Baker, Roslyn Baker, Fred Luckraft, David Rawson, Martin Walsh, Marlene Dorner, Jakob Mirski, Sophie Fuchs, Gregor Zimmermann, Johannes Kranebitter, Sarah Wilcox, Michael Seppi, Leo Kaserer; (DCP; Farbe; 72min; englisch-deutsche ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


DER GLÄSERNE BLICK
R: Markus Heltschl
Die portugiesische Küste, westlich von Lissabon. Eine männliche Leiche wird ans Ufer geschwemmt. In der Nähe entdeckt Pinto, der Kommissar, eine Videokamera. Das Video zeigt eine junge Frau, die heimlich gefilmt wurde. Pinto findet die Frau, die behauptet, nichts mit dem Tod des Mannes zu tun zu haben. Doch hinter ihren Erklärungen tauchen ständig neue Rätsel auf: Welches Spiel trieb Hans, der tote Archäologe, mit ihr? Was geschah mit dem jungen Mann, der mit ihr auf dem Video zu sehen ist? Und welche Rolle spielten die beiden anderen Frauen, die auch gefilmt wurden? Zug um Zug führt Pinto die Fakten zusammen, aber stimmen seine Vermutungen? Existiert die Struktur, die er dahinter zu entdecken glaubt? Liegt die Wahrheit womöglich im Auge des Betrachters? Oder sollte die Frage überhaupt lauten: Was ist Wahrheit?
Neben dem realen Lissabon existiert auch auch ein imaginäres Lissabon. In der realen Stadt hasten die Menschen zur Arbeit, stellen sich an Bushaltestellen an, unterhalten sich in Bars, gebären Kinder oder sterben. Im imaginären Lissabon stirbt niemand. Da sitzen die heimgekehrten Seefahrer in den Hafenbars und die Könige aus fernen Jahrhunderten heiraten die Skelette ihrer Geliebten. Kommissare brechen in ihre ehemalige Wohnung ein, um den Schlaf ihrer Tochter zu beobachten. Einsame Männer versuchen mittels heimlicher Videoaufnahmen die Wiedergeburt ihres Glücks zu erzwingen. Und Frauen mit geheimnisvollen Augen sind zu jedem Abenteuer bereit.
„Auf den ersten Blick beginnt der Film als Krimi. Doch die Suche nach Aufklärung entfernt sich schnell von dieser äußeren Begebenheit. Sie führt in eine andere, feinere Dynamik menschlicher Existenz, die mit formaler Routine nicht mehr zu ordnen ist. In diesem Spiegelkabinett fügen sich Identitäten immer wieder neu zusammen. Nichts bleibt statisch, nichts lässt sich festhalten. Ein leiser, poetischer Film, der in seiner musikalischen Bildkomposition den Blick schärft für das, was Wahrheit sein könnte, in jedem Augenblick.” (Jurybegründung Interfilmpreis Saarbrücken / Michael Kimmel, Wolf-Dieter Scheid, Christine Stark, Gertie Steiner)
„(…) Heltschls in Portugal spielende, sich auf den ersten Blick als Krimi gebende Geschichte um einen geheimnisvollen deutschen Archäologen und seinem geheimnisvollen Tod, in der die hervorragende Sylvie Testud und der ebenfalls ausgezeichnete Miguel Guilherme miteinander Katz und Maus spielen: Es geht zu wie in einem Film von Rivette, ein intellektuelles Zuwerfen von Bällen, die aufgenommen und auch fallen gelassen werden. Sylvie Testud spielt mit dem Kommissar, er gibt aber den Kampf nicht auf, wir erfahren mehrere Varianten eines Unfalls oder eines gewaltsamen Todes, und wenn man den Regisseur schließlich fragt, so antwortet er schlicht: ‚In diesem Film ist es wie im Leben. Es gibt mehrere Wahrheiten.’”
(Ulrich von Thüna, aus: epd Film 3/2004)
„Um ein Geheimnis geht es (…) in Heltschls DER GLÄSERNE BLICK, der so gar nicht ins Klischee des österreichischen Kinos zwischen Wiener Schmäh und sarkastischer Gesellschaftssatire passen will. Der hauptsächlich in Portugal mit einheimischen Schauspielern und der grazilen Französin Sylvie Testud in der Hauptrolle inszenierte Film ist bildgewaltiges, großes Unterhaltungskino, das vom Zuschauer allerdings Mitdenken verlangt. Denn die Mystery-Krimi-Story um einen Toten und ein rätselhaftes Videoband entwickelt sich als spannende Suche nach den verschiedenen Gesichtern der Wahrheit.“ (Rolf-Ruediger Hamacher, Filmdienst)
„Ein gutes Beispiel für einen Film, der höheren ästhetischen Ansprüchen genügt, ohne hermetisch zu sein. Er funktioniert als Kunst ebenso wie als Publikumsfilm.” (Thomas Rothschild, aus: Titel-Magazin)
„DER GLÄSERNE BLICK des Österreichers Markus Heltschl, eine poetisch wie geheimnisvoll erzählte Kriminalgeschichte aus Portugal, in der Sylvie Testud und ein Kriminalkommissar (Miguel Guilherme) miteinander ringen. Das Ende? Es gibt viele Wahrheiten! Wunderschöne Bilder (Kamera: Christian Berger) und ein intellektuelles Vergnügen.” (Ulrich von Thüna, aus: Frankfurter Rundschau)
Österreich/Deutschland/Portugal 2003; Regie, Buch und Schnitt: Markus Heltschl; Bildgestaltung: Christian Berger; Ausstattung: Fernanda Morais; Kostüme: Cinzia Cioffi; Ton: Michael Hinreiner; Musik: Michael Galasso, Anouar Brahem, Arnold Schönberg; Casting: Sabine Schroth, Alejandra Alem; ProduzentInnen: Susanne Schlaepfer, Christian Berger, Francisco Villa-Lobos; DarstellerInnen: Sylvie Testud (Alice), Miguel Guilherme (Pinto), Klaus Pohl (Hans), Ana Bustorf (Flora), Rita Blanco (Maria), Rebecca Silva (Patricia), António Cerdeira (Fernando), Maggie Peren (Das andere Mädchen) u.a.; (35mm – 25 Bilder/sec; 1:1,85; Farbe; Dolby SRD; 88min; deutsch-englisch-portugiesische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN). Ein Film im Cinematograph-Filmverleih.


DER LEIB DER BLEIBT AM KANAPEE
R: Daniel Pöhacker
In seinem Debütfilm folgt der Tiroler Filmemacher und Kameramann Daniel Pöhacker dem in Hall lebenden Alltagsphilosophen und Steinmetz Reinhold Drugowitsch in Vorstellungen vom Glück und zu Orten, die vom Verschwinden bedroht sind. Schauplätze sind u.a. das Wiesenfest in Bleiburg (Südkärnten), wo Drugowitsch alljährlich seine Freunde aus Kinderzeit besucht, und die alte Bäckerei in Hall, die inzwischen geschlossen ist. Aber auch die Innenwelt von Drugowitsch, für den die Geschichte vom „Hans im Glück“ kein Märchen ist. Trotz dem die ihm vertraute Welt, in der er aufgewachsen ist, in Auflösung begriffen ist oder zumindest anachronistischen Charakter annimmt, hält er voll Neugier an seinem Weg fest und steckt seine Umgebung mit seinen positiven, wie auch skurrilen Überlegungen und Aktionen zur Fröhlichkeit an. Er ist kein Star und kein Millionär, sondern ein Mann, der Sinn für seine Talente hat, denen er nachgeht, ohne nach äußerem Erfolg zu trachten. Auf seinen Reisen nach Bleiburg taucht er in die Welt der ausgezehrten Altbauern, die ihre Ochsen lieber beim Glücksspiel verlieren, was ihnen mehr Reize verspricht, als das Konsumdenken. – Persönliche Tragik mit eingeschlossen.
„Drugo“ wird er von seinen Freunden genannt, was auf Slawisch „der Andere“ bedeutet. Ein Freund sagt über ihn: „Ich weiß nicht, ob Drugo selbst glücklich ist. Aber dass er Glück verbreiten kann, diese Gabe hat er.“
Pöhackers Erkundungsreise in das Leben dieses Mannes folgt dem Empfinden der Geheimnisse um ein erfülltes Leben. DER LEIB DER BLEIBT AM KANAPEE füllt damit wie nebenbei auch eine Lücke in der derzeit boomenden Dokumentarfilmproduktion: Er gibt der Frage nach Lebensmut und Lebensfreude Raum.
Daniel Pöhacker: „Form und Inhalt gehören zusammen. Ich wollte die Präsenz von Drugo, seine Gelassenheit, in einem ruhigen Erzählrhythmus wiedergeben. Bei den Dreharbeiten ging es mir nicht darum, Bilder zu raffen, sondern aufmerksam, geduldig zu schauen. Der Titel ist ein Zitat aus dem Film und eine schöne Metapher auf Drugos Lebensweise: Am Boden zu bleiben, nicht etwas vorzutäuschen, nur weil unsere Umwelt Druck erzeugt. Mit dem zu leuchten, was man ist.“
Österreich 2005; Regie, Buch, Kamera: Daniel Pöhacker; Mitwirkende: Reinhold Drugowitsch, Gottfried Stöckl u.a.; (Digi Beta 4:3; Farbe; 125min).


HANNA MONSTER, LIEBLING
R: Christian Berger
Ein Ehepaar wird aus seinem idyllischen Familienglück in der Nähe von Innsbruck herausgerissen. Das Kind, das Hanna gebiert, ist ein Monster. Hanna bricht radikal mit ihrem bisherigen Leben, verläßt ihren Mann Leo und beginnt eine Suche quer durch unsere Zivilisation, die vorläufig auf einem Nordseeschiff endet, wo sie erfährt, dass sie Großmutter geworden ist.
Österreich/BRD 1989; Regie, Buch, Kamera: Christian Berger; Musik: Carmel; Eliska Stibr; DarstellerInnen: Marika Green, Hagnot Elischka, Peter Turrini, Claudia Holldack, Johannes Nicolussi u.a.; (35mm – BlowUp von 16mm; 1:1,66; Schwarzweiß; 100min). Ein Film im Cinematograph-Filmverleih


KLAMEK JI BO BEKO
EIN LIED FÜR BEKO
R: Nizamettin Ariç
Der Film erzählt – vor dem Hintergrund der Kurdenverfolgung durch Saddam Hussein im Jahre 1988 im Irak – die unfreiwillige Odyssee des Kurden Beko durch ganz Kurdistan bis in ein deutsches Asylantenlager.
Deutschland 1992; Regie und Musik: Nizamettin Ariç; Buch: N.A., Christine Kernich; Kamera: Thomas Mauch; DarstellerInnen: Nizamettin Ariç (Beko); Bêzara Arsen, Lusika Hesen, Cemalê Jora; Produktion: Margarita Woskanian u.a.; (35mm; 1:1,66; Farbe; 100min; kurdisch-deutsche ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).

KLEINES TROPIKANA
DAS KLEINE TROPIKANA
R: Daniel Díaz Torres
Feuriges Kuba. Havanna in den 90er Jahren. In der Dunkelheit einer tropischen Sommernacht wird im Hinterhof eines großen Hauses die Leiche eines deutschen Touristen aus dem Schwarzwald gefunden. Am Rücken hat er Engelsflügel umgeschnallt, in der Hand hält er eine Flasche Schnaps. Für die lokale Polizei ist der Fall schnell klar: Betrunkener Ausländer stürzte bei einer wilden Party vom Dach. Einzig den Polizeileutnant Lorenzo lässt der Fall nicht los, und er beginnt gegen den Willen seines Chefs auf eigene Faust zu recherchieren. Was hatte dieser Ausländer in Kuba gemacht? Welche Rolle spielte sein Vater, der vor 40 Jahren eine Bar mit dem Namen „Tropicanita” betrieb? Die Untersuchung nimmt immer haarsträubendere Wendungen, und als Lorenzo am Ende die Lösung seinem Vorgesetzten präsentiert, wirkt diese nicht unbedingt wahrscheinlich, aber so verrückt und abenteuerlich, dass man glatt einen Film daraus machen könnte.
Alle Fiktion ist Lüge, besagt ein geflügeltes Wort aus Kuba. Aber die Lüge, so heißt es da weiter, sei lediglich die außer Kontrolle geratene Vorstellung einer Wahrheit. Der Kubaner Daniel Díaz Torres, 1995 mit der Komödie QUIEREME Y VERAS, macht mit seiner jüngsten Produktion KLEINES TROPIKANA klar, dass die Grenzen zwischen dem Erfundenen und dem Wirklichen, zwischen dem Erlogenen und dem Wahren, zwischen der Phantasie und der Realität fließend sind. Und dass das eine das andere durchfließt, die magische Wirklichkeit sprießt. Seine Hauptfigur Lorenzo ist ein vorbildlicher Polizist aus der Provinz, der dichtet, und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass er uns eine Geschichte erzählen möchte, die von ihm handelt und vielleicht sogar wahr ist, sicher aber schön erfunden. Er tut auf alle Fälle so, als sei sie wahr, indem er sie gleich zweimal dokumentiert, faktisch belegt und damit natürlich auch zeigt, wie leicht man im Kino den Leuten etwas als Wahrheit verkaufen kann.
Der Deutsche aus dem Schwarzwald (Kuckucksuhr mit Dirndl) soll unter anderem an einem Dokumentarfilm gearbeitet haben über die kubanische Seele. Er wusste zu berichten, wie unglaublich es sei, eine Kubanerin zu lieben, was wiederum den Polizeioffizier im Detail sehr interessiert hätte. Von den Ursachen des mysteriösen Todes des deutschen Touristen gibt es am Ende gleich mehrere Versionen, von denen die irrwitzigste jene ist, dass der Tourist ein Bruder des Polizisten war.
Geschrieben hat KLEINES TROPIKANA Kubas erfolgreichster Drehbuchautor Eduardo del Llano, der auch am Buch zu ALICIA EN EL
PUEBLO DE MARAVILLAS von Daniel Díaz Torres mitwirkte und für Fernando Pérez das Buch zu LA VIDA ES SILBAR verfasste. Man hätte seine liebe Mühe, aus den Fadensträngen, die er und Díaz Torres ausklügelt, einen einzelnen herauszunehmen, um zur Gewissheit zu gelangen: So war es. Doch just diese Gewissheit wollen uns die beiden Kubaner nicht vorgeben. Im Gegenteil: Sie zeigen uns, dass es eine Gewissheit nicht gibt.
(Texte aus: Trigon Film Magazin Nr. 10, erhältlich an der Kinokasse)
Die Urfassung des Drehbuches zu KLEINES TROPIKANA hat Eduardo del Llano mit Unterstützung des Otto Preminger-Institut in St. Sigmund im Sellraintal geschrieben. Die österreichische Erstaufführung von KLEINES TROPIKANA fand im Rahmen des Internationalen Film Festival Innsbruck im Jahre 1998 statt, wo der Film vom Publikum zum Lieblingsfilm gewählt wurde.
Kuba/Spanien/Deutschland 1997; Regie: Daniel Díaz Torres; Buch: Eduardo del Llano; Kamera: Raúl Pérez Ureta; Schnitt: Marita Lores; Musik: Edisio Alejandro; DarstellerInnen: Peter Lohmeyer (Hermann Pangloss), Vladimir Cruz (Lorenzo Columbio), Corina Mestre, Thais Valdés, Carlos Cruz, Enrique Molina, Luisa Pérez Nieto, Raúl Pomares, Tamara Morales u.a.; Produktion: ICAIC (Havanna) und BMG Intl. (Madrid/München); (35mm; 1:1,66; Farbe; Dolby SRD; 112min; spanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN). Jurypreis Havanna 1997, Hubert Bals Preis Rotterdam 1997 Deutsche Untertitel: Verena Teißl


RAJAS REISE
R: Karl Saurer
Die abenteuerliche Reise eines Elefanten um 1550 von Südindien nach Wien - eine Geschichte von Bemächtigung, die bis heute andauert. Der Film spürt der geheimnisvollen Geschichte des indischen Elefanten Raja nach, der um 1550 von den Wäldern Keralas über Lissabon bis nach Wien auf eine abenteuerliche Reise geschickt wurde. Ein Geschenk des portugiesischen Königs an den Erzherzog Maximilien von Österreich. Die Erkundungen des Friedens-Aktivisten P. V. Rajagopal entlang der Wegstrecke fördern Überraschendes zutage und wecken spannende Assoziationen. Wir erleben die Gefangennahme des kleinen Elefanten, die Schulung, Arbeit im Wald und Auftritte bei Tempelfesten – bis er als Statussymbol europäischer Herrscher auserkoren wird.
„Angefangen hat alles am Fuß des Brennerpasses in Brixen, wo ich die unerwartete Begegnung mit einem Bild machte, welches mich nicht mehr losließ: ein mächtiger indischer Elefant auf einem Fresko an einer Hotelfassade. Vor Jahrhunderten durchlebte er hier eine Erschöpfungsrast. Welche Geschichten wüsste er zu erzählen?“ (Karl Saurer)
Schweiz 2007; Regie: Karl Saurer; Drehbuch: Karl Saurer, Elena M. Fischli; Kamera: Hansueli Schenkel, Boney Keyar, Matthias Kälin; Musik: Ajit Singh, Mafalda Arnauth, Giuseppe Laruccia, Johannes Brahms; Darsteller/innen: P.V. Rajagopal, Prof. Dr. K.S. Mathew, Dr. Zoltan Biedermann, Prof. Dr. Laura Stagno, Dr. Hans Heiss, Reinhold Schrettl, Roland Halbritter M.A., Robert Oboril, Horst Holzer, Prof. Dr. Ferdinand Opll, Muralee Krishnan; Produktion: Reck Filmproduktion Zürich; (Video; Farbe; 78min; ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN) gefördert von Cine Tirol österreichische Erstaufführung: 16. Internationales Film Festival Innsbruck, Eröffnungsfilm


SIN QUERER
ZEIT DER FLAMINGOS
R: Ciro Cappellari
Ein Schiff wird kommen. Mit dieser simplen und doch so mirakulös klingenden Botschaft taucht eines Tages der junge Ingenieur Mario aus der Hauptstadt Buenos Aires im patagonischen Kaff San Lorenzo auf, das mit der Außenwelt nur durch eine nichtasphaltierte Landstraße und einen mittlerweile stillgelegten Bahnhof verbunden ist.
Patagonien: Eine weite ockerfarbene, wüstenähnliche Landschaft am Fuße der Anden. Unbarmherziger Wind bläst durch die Schluchten. Die Lagunen – glitzernd in der Sonne – sind alljährlich das Ziel unzähliger Flamingos, die sich auf der Suche nach dem Sommer hier niederlassen. Doch dieses Jahr kommen nicht nur die Flamingos, sondern auch Mario. Er hat den Auftrag, eine Trasse für den Überlandtransport eines Ausflugdampfers zu vermessen, die durch San Lorenzo zum entfernt liegenden Inlandsee führen soll.
Für die Bewohner des Städtchens ist dies das Ereignis des Jahres. Sie bereiten Mario einen herzlichen Empfang, denn das Unternehmen verspricht einen wirtschaftlichen Boom und vor allen Dingen einen Ausweg aus der alltäglichen Eintönigkeit – Hoffnungen und Sehnsüchte werden geweckt.
Das Schöne bei den Leuten in Patagonien ist, daß es eine Poesie der Hoffnung gibt. Das kann die geringste und absurdeste sein. Im Film ist es ein Schiff.
„Es ist eine TEOREMA-Situation in Patagonien, die alte Geschichte vom Fremden, der in eine geschlossene Gemeinschaft kommt und sie aus ihrem täuschend stabilen Gleichgewicht bringt.” (Frankfurter Rundschau)
„Seit Buñuels CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR (1977) ist die Spanierin Angela Molina auf den Part der männernarrenden, rätselhaften Verführerin spezialisiert. In der obsessiven Beziehung Amados zu Juanita wirkt TRISTANA (1969) nach, in der bedrohlichen Atmosphäre des Ortes Buñuels mexikanischer Film EL RIO Y LA MUERTE (1954)” (FAZ)
„Ein Westernmotiv und ein Motiv des Heimatfilms. Auch San Lorenzo ist so ein Ort an einer imaginären Zivilisationsgrenze. Hier ist die Weite der umgebenden Landschaft vor allem erdrückend. Und die Trockenheit, heißt es, zwingt die Bewohner des Ortes, züchtig zu sein. Aber einmal im Jahr kommen die Flamingos und mit ihnen der Regen. Und mit dem Regen der Schlamm, das Gewürm und die Unzucht.” (Süddeutsche Zeitung)
„Ein stiller, poetischer Film des begabten argentinischen Autor-Regisseurs Ciro Cappellari (38), dessen spröde Reize sich dem sofort erschließen, der schauen, hören und vor allem fühlen will. Fein beobachtete Menschen-Schicksale offenbaren sich, wie man eine exotische Landschaft entdeckt – zögerlich aber neugierig.” (AZ, München)
Angela Molina: „Es ist keine Höflichkeitsfloskel, wenn ich sage, daß die Arbeit mit Ciro etwas Besonderes war. Ich habe schon mehrere Filme in Südamerika gedreht, aber noch nie an einem so kargen Ort., in dem die herzlichsten Menschen wohnen. Ciro war plötzlich einer von ihnen - und auch wieder nicht: Wenn er als Regisseur auch europäische Einflüsse spüren läßt, wenn er vor der Kamera Visionen real werden läßt, so verrät er nie deren Geheimnisse an eine sich anbiedernde Vordergründigkeit. Wie ein geliebtes Buch entführt der Film einen in eine andere Welt.”
Argentinien/Deutschland/Schweiz 1997; Regie: Ciro Cappellari; Buch: Graciela Maglie, Ciro Cappellari, Osvaldo Bayer; Kamera: Jürgen Jürges; Schnitt: Tania Stöcklin, Musik: Gustavo Beytelmann; DarstellerInnen: Daniel Kuzniecka (Mario), Angela Molina (Gloria), Luisa Calcumil (Rosa), Norman Brisky (Maldonado), China Zorilla (Honorina), Jorge Mayor (Pfarrer), Susanna Cortinez (Hotelbesitzerin), Yesica Cardozo (Juanita), Patricio Contreras (Amado), u.a.; (35mm; CinemaScope; Eastman Kodak Color; Dolby-Stereo Digital; 96min; spanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN). CineVision 1998, Deutscher Kamerapreis 1998




In Kooperation mit dem ABC-Filmverleih