06/2005


2005-06-08
21.15 Uhr
SANS TOIT NI LOI VOGELFREI
R: Agnès Varda
Cinematograph



on the road to cinematograph
In Kooperation mit der Lehrveranstaltung „Moving forward, looking backward, haunted by the road“, und der daraus resultierenden Filmreihe „Hit the Road Jack/ie Road Movies aus 8 Jahrzehnten“, präsentiert kinovi[sie]on am 8. Juni SANS TOIT NI LOI von Agnès Varda.

Mi, 8. Juni, 21.15 Uhr im Cinematograph
SANS TOIT NI LOI (Vogelfrei) von Agnès Varda Der Originaltitel SANS TOIT NI LOI (Ohne Dach und ohne Gesetz) macht deutlich, was der deutsche Titel VOGELFREI vermeintlich verschleiert – nämlich Schutzlosigkeit als Preis der Freiheit – aber bei genauerer Betrachtung sehr wohl beinhaltet. Der Begriff „vogelfrei“ meinte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Personen, denen Rechte und Eigentum aberkannt wurden, die also von jedem anderen straffrei getötet, verletzt oder ausgeraubt werden konnten.
Ein Landarbeiter findet die Leiche einer jungen Frau. Sie hat keine Papiere bei sich und keinen Besitz. Vermutlich war sie Landstreicherin und ist erfroren. Ein gewaltsamer Tod wird von der Polizei ausgeschlossen. Hier beginnt Agnès Varda ihre Spurensuche: anhand von Gesprächen mit jenen, die der jungen Frau in den letzten Tagen und Wochen begegnet sind, werden die einzelnen Stationen der Herumziehenden rekonstruiert.
Die junge Tramperin zieht mit Zelt, Rucksack und wenigen Habseligkeiten irgendwo durch Südfrankreich. Die wechselnden Orte (ein Strand am Meer, ein verlassenes Schloss, ein Bauernhof,…) leuchten in winterlich klarem Schein. Die Tramperin Mona scheint Herrin der Lage zu sein, denn sie findet, was sie braucht: Nahrung, ein wenig Geld, Liebhaber, Unterschlupf für einigen Nächte, sogar ein Stück Ackerland wird ihr von einem Aussteiger-Pärchen angeboten. Mit ihrem Verständnis von Freiheit, erklärt der ehemalige Philologe, der seine eigene Freiheit in Ackerbau und Viehzucht gefunden hat, würde Mona in Einsamkeit und letztlich im Tod enden. Spätestens hier wird klar, dass SANS TOIT NI LOI die Grenzen des Road Movies überschreitet und sich einem Filmessay annähert, der um das zentrale Thema Freiheit kreist. Agnes Varda führt dem Publikum viele Freiheitssuchende vor Augen - den Aussteiger, den Kleinkriminellen, die Einwanderer aus Nordafrika, die Akademikerin, die Bürgerliche, Hausbesetzer, usw. – mit ihren Sehnsüchten und ihren Vorstellungen von Freiheit.
Das Leben auf der Straße, das Unterwegs-Sein sowie Sex, Drogen und Musik – Begriffe, die Entgrenzung evozieren und eng mit dem Genre Road Movie verbunden sind – ziehen sich zwar durch den ganzen Film, doch bleiben sie im Hintergrund, um gesellschaftspolitische Fragen zu stellen: wie viel individuelle Freiheit ist der Gesellschaft zumutbar? Wem billigt sie welche Freiheit zu? Wer sind die „Vogelfreien“ unserer Gesellschaft? Und nicht zuletzt: Was ist Freiheit?

FIPRESCI Preis und Goldener Löwe - Bester Spielfilm (1985), Los Angeles Film Critics Association Award (1986) und César-Beste Schauspielerin (1986), u.a.m.

Frankreich 1985; Regie und Drehbuch: Agnès Varda; Kamera: Patrick Blossier; Musik: Joanna Bruzdowicz; DarstellerInnen: Sandrine Bonnaire, Yolande Moreau, Martha Jarnias, Macha Méril, Stéphane Freiss, Yahiaoui Assouna, u.a.; (35mm; Farbe; 100min; frz. ORIGINALFASSUNG MIT ENGL. UNTERTITELN).
SANS TOIT NI LOI

Des weiteren möchten wir auf die Veranstaltung VIDEODROM: FILM & LECTURE am 9. Juni 19:30 im ORF-Kulturhaus hinweisen, zumal dort neben einer Lesund von Barbara Hundegger das Video THINGS.PLACES.YEARS von Simone Bader und Jo Schmeiser gezeigt wird. Erfahrungen von Vertreibung, Emigration und Holocaust werden oft in der Vergangenheit verortet. Der Dokumentarfilm THINGS.PLACES.YEARS bringt diese Vergangenheit in die Gegenwart zurück und zeigt, wie sie das Leben von zwölf in London beheimateten Frauen durch drei Generationen prägt.

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Das Projekt kinovi[sie]on wird unterstützt von Land Tirol (JUFF Frauenreferat) und Stadt Innsbruck (Referat Jugend, Frau, Familie).
In Kooperation mit Renner-Institut und SPÖ-Frauen Innsbruck.



Frau und Film - zwei Wörter, die aus lautlichen Gründen eine Verbindung eingehen - eine Verbindung zwar, aber leider eine einseitige, eine von Anfang an verschobene: Frau und Film bilden ein ungleiches Paar: er (der Film) zeigt – sie (die Frau: von Garbo bis Kidman) wird gezeigt. Nach wie vor, so erweckt es den Anschein, hat sich an diesem Verhältnis (aktiv/passiv) und seinen Zuschreibungen (männlich/weiblich) kaum etwas verändert. Die Filmindustrie, vor allem die Bereiche Regie und Produktion, sind weit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt.

kinovi[sie]on – ein Projekt des Otto Preminger-Instituts (Leokino/Cinematograph) – stellt seit dem Internationalen Frauentag 2005 einmal monatlich (jeweils am 8.) das Filmschaffen von Frauen in den Mittelpunkt. Der Filmzyklus kinovi[sie]on will nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Frauen als Filmemacherinnen signifikant unterrepräsentiert sind, sondern vor allem dieser Tatsache entgegenwirken. Der so genannte „weibliche Blick“ wird nicht auf typische Themen fokussiert, sondern geweitet, gesplittert gesehen. kinovi[sie]on stellt ein Prisma dieses Blicks dar und bietet der oft kontroversiellen Vielfältigkeit des Filmschaffens von Frauen Raum. Einzelne Filmpräsentationen werden durch Impulsreferate und Publikumsdiskussionen in gesellschaftspolitische und filmtheoretische Zusammenhänge eingebettet und diskutiert.



Konzept, Umsetzung, Dokumentation: Gerlinde Schwarz und Gertraud Eiter
Kontakt: kinovisieon@leokino.at





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