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SIBERIAN LOVE

LIEBE AUF SIBIRISCH – OHNE EHEMANN BIST DU KEINE FRAU!

R: Olga Delane

Nach dem Dokumentarfilm ENDSTATION KRASNOKAMENSK über die „geheime Stadt“, deren Name auf Landkarten nicht existierte, weil sich dort Russlands größtes Uranlager und eine Strafkolonie befinden, begibt sich Olga Delane ein zweites Mal auf die Suche nach den eigenen Wurzeln. Über einen Zeitraum von 4 Jahren hat sie immer wieder ihre Verwandten im Südsibirischen Gebirge besucht, mit ihnen gelebt, lange, intime Gespräche geführt und deren Alltag festgehalten.
In Onon Borzya, einem kleinen Dorf 1000 km östlich des Baikalsees, nahe der chinesischen und der mongolischen Grenze, scheint die Zeit in manchen Belangen stehen geblieben zu sein. Hier in den Weiten Sibiriens lebt die Bevölkerung vorwiegend von Landwirtschaft. Zwar können sich die Wohlhabenderen einen neuen Traktor leisten und Fernseher gibt es in jedem Haushalt, aber was die zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft, herrschen vordergründig alte patriarchale Gesetze: Eine Frau muss heiraten, Kinder gebären und sich dem Mann unterordnen. „Feminismus? Was ist das?“ fragt eine Dorfbewohnerin polemisch. Olgas westlicher Lebensstil, schließlich ist sie Mitte 30, Single, kinderlos, stößt auf Unverständnis. Hier prallen offensichtlich zwei Welten aufeinander: Putins neokonservatives Russland und der in manchen russischen Augen „dekadente“ Westen. Olga Delane untersucht diesen Culture-Clash nicht akademisch distanziert sondern aus einer spürbaren Vertrautheit. Die Regisseurin ist darum bemüht, selbst nicht zu werten, während sich die andere Seite kaum ein Blatt vor den Mund nimmt. Delanes Onkel und Tanten sprechen offen über das erste Kennenlernen, Hierarchien innerhalb der Familien, die von manchen mit Gewalt durchgesetzt werden, ihr Unverständnis dem westlichen Lebensmodell gegenüber und vor allem über die tägliche Arbeit, denn „mehr ist in dieser Dorfgemeinschaft nicht geboten, außer Arbeit, Arbeit, Arbeit. Olga Delane dabei zuzusehen, ist hingegen überhaupt keine Anstrengung, sondern Freude, Freude, Freude.“ (Simon Hauck in: kino-zeit.de) Diese Freude ist einem Sinn für Humor und der wunderbaren Bildsprache des Kamerateams zu verdanken. „Olga Delanes renommierter Bildgestalter Nikolai von Graevenitz fängt diese seltsam anmutende Weite der Landschaft, die Ödnis des monotonen Arbeitsalltags wie den pragmatisch-spröden Lebensmut der wenigen Einwohner gleich reihenweise in sehenswerten Tableaux vivants ein.“ (ebd.) 

Deutschland 2016; Regie: Olga Delane; Buch: Olga Delane, Frank Müller; Kamera: Olga Delane, Nikolaj von Graevenitz, Frank Müller; Schnitt: Philipp Gromov; Mitwirkende: Olga Delane; Sascha, Ira und Ljuba Sapozhnikow; Oleg und Ljuba Sapozhnikow; Familie Waskowsky u. a. m. (DCP; 16:9; Farbe; RUSSISCHE ORIGINALFASSUNG MIT UNTERTITELN, 80 min.)


  
Filmplakat