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Keine Spielzeit in dieser Woche


EIN DEUTSCHES LEBEN

R: Regisseurskollektiv

„Nein. Ich würde mich nicht als schuldig betrachten”, sagt die alte Da­me mit fester Stimme. 103 Jahre ist Brunhilde Pomsel alt, als sie vor die Kamera tritt, um aus ihrem Leben zu erzählen. Sie war einst die schnellste Stenotypistin beim Rundfunk. 1942 wurde sie die Se­kre­tärin von Joseph Goebbels. Dem Propagandaminister blieb sie treu zu Diensten, bis zum Untergang.
Sie war eine der letzten Zeitzeuginnen, die aus dem Machtzentrum des Nazi-Regimes berichten konnten. Mit 103 Jahren hat sich Brunhilde Pomsel der Kamera gestellt. Mit wachem Verstand erzählt die betagte Dame von damals. Redet über ihren Chef und ihr Wissen über die Exi­s­tenz von KZs. Über die Frage von Schuld. Und die Unfähigkeit zum Wi­derstand. Kontrastiert werden die Interview-Passagen durch Archiv-Material: Von Ausschnitten aus Nazi-Propaganda-Werken bis zu Bil­dern der Befreiung der Konzentrationslager.
Insgesamt 30 Stunden lang erzählte Brunhilde Pomsel vor der Ka­m­e­ra einem vierköpfigen Regieteam aus ihrem Leben. 13 Tage wurde in ei­nem Studio gedreht, die alte Dame mit dezenter grauer Bluse und schlichter Halskette stets nur vor schwarzem Hintergrund. Das minimalistische Ambiente sorgt für die notwendig nüchterne Atmosphäre. Zwi­­schen die Interview-Blöcke der Erinnerung freilich schleicht sich das Grauen ein mit realen Archivbildern. Erst fast harmlos, mit Ausschnitten aus Propaganda-Filmen und Wochenschauen. Dann erschütternd, mit Bildern der Be­freiung der Konzentrationslager durch die Alliierten. Das zum Teil neu erschlossene Archivmaterial stammt unter anderem aus dem United States Holocaust Memorial Museum (Washington, DC) so­wie dem Ste­ven Spiel­berg Film and Video Archive. Darunter findet sich auch der bislang unveröffentlichte NS-Film „Geheime Komman­do­sache”.
Brunhilde Pomsel präsentiert sich als das, was man eine unpolitische Mitläuferin nennt. Streng erzogen, stets pflichtbewusst. Der berufliche Aufstieg ging ihr über alles, ansonsten schaute sie lieber weg. „Dort zu ar­beiten war nett. Alles angenehm. Freundliche Menschen.”, sagt sie über ihre Stelle, die zudem üppig bezahlt wurde. Jemand, der so dicht im Zentrum der Macht arbeitet, soll von den Schrecken dieses Regimes nichts mitbekommen haben? Als ein beliebter Redakteur wegen seiner Ho­mosexualität ins KZ kam, „wollte man das gar nicht wissen”, sagt Po­msel. „Das ganze Land war wie unter einer Glocke. Wir waren selber alle in einem riesigen Konzentrationslager. Das alles soll aber nichts entschuldigen.” Das ganze Ausmaß der Verbrechen, „die Judengeschichte”, wie sie es nennt, sei ihr erst nach dem Krieg deutlich geworden. Da decken sich ihre Aussagen mit jenen Darstellungen der Hitler-Sekretärin Traudl Junge oder dessen Leibwächter Rochus Misch.
(nach: dw.com; kino-zeit.de; programmkino.de)
Florian Weigensamer: „Es geht gar nicht darum, sie als einen Nazi zu dekuvrieren. Das war sie wohl gar nicht. Sie war einfach uninteressiert – und das ist eben eine Schuld.”

Österreich/Deutschland 2016; Regie: Christian Krönes, Olaf S. Müller, Roland Schrotthofer & Florian Weigensamer; (DCP; 1:1.85; Schwarzweiß; 113min; deutsch-englisch-italienische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTER­TITELN).


  
Filmplakat