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WAITING FOR AUGUST

R: Teodora Ana Mihai

Georgiana ist noch keine 15 Jahre alt und doch ist sie elf Monate im Jahr das inoffizielle Oberhaupt der Familie Halmac. Solange die allein verdienende Mutter in Turin arbeitet und ihre Kinder in Bacau, Rumänien, zurücklassen muss, ist die älteste Tochter für ihre sechs Geschwister verantwortlich. Sie managt den Haushalt, sorgt dafür, dass alle rechtzeitig in die Schule oder den Kindergarten kommen, teilt das Haushaltsgeld ein, ermahnt, tröstet, ermutigt, telefoniert regelmäßig mit ihrer abwesenden Mutter. Hin- und hergerissen zwischen Verantwortungsgefühl und den ganz normalen Sehnsüchten eines Teenagers wird Georgiana zur zentralen Figur dieses außergewöhnlichen Dokumentarfilms der aus Rumänien stammenden Newcomerin Teodora Ana Mihai.
Während ArbeitsmigrantInnen gelegentlich eine Stimme in den Medien bekommen, ist Mihai vor allem daran interssiert, jene ins Bild zu rücken, die selten gehört werden: die temporär verlassenen Kinder und Jugendlichen. Fast ein Jahr lang begleiten die Regisseurin und ihr Team die sieben Geschwister. Ohne erklärenden Kommentar aus dem Off vertraut sie voll und ganz auf die Ausstrahlung der beeindruckenden ProtagonistInnen. „It’s an intimate look into the world of some charming children, all of whom become unique individuals by the time the film ends. […] Their situation is not uncommon, it would seem, but there is an optimistic tone throughout as no one seems resentful or heartbroken.” (Anthony Marcusa in: Scenecreek.com)
Das Interesse am Schicksal der Zurückgelassenen erklärt die Regisseurin mit einer autobiographischen Parallele. Als ihre Eltern vor dem Ceaușescu Regime nach Belgien flohen, musste sie als Kind ein Jahr lang bei Verwandten warten, bis sie nachgeholt werden konnte. Während damals viele Menschen aus politischen Gründen das Land verließen, tun sie es nun aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Die Wartenden sind die Gleichen: Kinder und Jugendliche, die allzu früh gezwungen werden, Verantwortung zu übernehmen.
Teodora Ana Mihai wurde für ihren Langfilmerstling auf zahlreichen wichtigen Festivals ausgezeichnet.
Auszeichnungen (Auswahl): Best Documentary – Bergen International Film Festival 2014, Karlovy Vary International Film Festival 2014; Best International Documentary – Hot Docs Canadian International Documentary Festival 2014; Environmental Award – Reykjavik International Film Festival (2014);

Belgien/Rumänien 2014; Regie & Buch: Teodora Ana Mihai; Kamera: Joachim Philippe, Mihnea Popescu; Ton: Felix Blume, Bruno Schweissgut; Schnitt: Michèle Hubinon; Musik: Karim Baggili, Ada Milea; Mitwirkende: Georgiana Halmac, u.a.; (DCP; Farbe; 88 min; rumänische ORIGINALFASSUNG MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN)


  
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