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LORE

R: Cate Shortland

Frühjahr 1945 in Süddeutschland. Der Krieg ist verloren. Die Eltern der 15-jährigen Lore werden von den Alliierten verhaftet. Lore (Saskia Rosendahl) ist nun für ihre vier jüngeren Geschwister verantwortlich und muss sich mit ihnen vom Schwarzwald quer durch die Sektoren Deutschlands bis nördlich von Hamburg zur Großmutter (Eva-Maria Hagen) durchschlagen. Auf dieser Reise kämpft sie nicht nur gegen unwirtliche Gegebenheiten sondern auch mit ihrer starren Weltanschauung, die langsam ins Wanken gerät. Als sich der knapp ältere Thomas (Kai Malina) zu ihnen gesellt, wird Lore von der verinnerlichten nationalsozialistischen Ideologie eingeholt. Ihre Gefühle dem jüdischen KZ-Überlebenden Thomas gegenüber schwanken zwischen Anziehung, Hass und Abwertung. „Mit der äußeren Reise lässt Cate Shortland geschickt eine innere Wandlung Lores korrespondieren, denn auf den Verlust von Eltern und materiellem Besitz folgt langsam das Zerbröckeln des Weltbilds.“ (kultur-online)
„Ich wollte verstehen, was das mit der Psyche eines Kindes macht. Wie wächst ein Kind in dem Wissen auf, dass die ihm nächsten Menschen unvorstellbare Verbrechen begangen haben, dass der Genozid inmitten ihres Alltags geschah? (Cate Shortland) Ohne Schuldzuweisungen bleibt der Film, wie die Romanvorlage, nah bei der sich ändernden Wahrnehmung der Protagonistin. Nach SOMERSAULT (kinovi[sie]on 2/2013) ist Shortland wieder ein in mehreren Kategorien ausgezeichneter und „atmosphärisch starker Film mit großartigen Darstellern (sic!)“ (kultur-online) gelungen, dessen Wirkung neben der Bildgestaltung von Adam Arkapaw v. a. auch auf den schauspielerischen Leistungen beruht, wobei Saskia Rosendahl als Lore besonders hervorzuheben ist: „Mit großer Reife und Sicherheit gestaltet sie ihre komplexe Rolle und macht eine Figur spannend, die man eigentlich nicht mögen kann.“ (Variety)
„Die australische Regisseurin Cate Shortland wagt sich mit ihrem Spielfilm LORE auf kaum erschlossenes Gebiet. Der historischen Zäsur des 8. Mai 1945 begegnet sie ohne Begriffe, dafür mit gefräßigen Sinnen. Der eigentümliche Kontrast aus Ruin und sturem Neuanfang der Natur prägt den Film.“ (Cristina Nord in: taz.de)

Deutschland / Australien / UK 2012; Regie: Cate Shortland; Buch: Cate Shortland & Robin Mukherjee nach dem Roman „The Dark Room” von Rachel Seiffert; Kamera: Adam Arkapaw; Schnitt: Veronika Jenet; Filmmusik: Max Richter; DarstellerInnen: Saskia Rosendahl (Lore), Kai Malina (Thomas), Nele Trebs (Liesel), Ursina Lardi (Mutti), Hans-Jochen Wagner (Vati), Mika Seidel (Jürgen), André Frid (Günter), Eva-Maria Hagen (Großmutter), u.a.m. (DCP; 1:1,85; Dolby Digital; 109 min; ORIGINALFASSUNG). Auszeichnungen (Auswahl): AACTA Award / Beste Nachwuchsdarstellerin – Australien Film Institut 2013; Beste Kamera – Bayrischer Filmpreis 2013; Bester Film / Preis der Filmkritik – Filmfest Hamburg 2012; Cinematography Award, Golden Starfish Award & Jeremy Nussbaum Prize for Provocative Fiction – Hamptons International Film Festival 2012; Hessischer Filmpreis 2012 für den besten Spielfilm; Publikumspreis – Locarno International Film Festival 2012; Beste Schauspielerin, Beste Kamera, Beste Filmmusik & Bronze Horse für den besten Film – Stockholm Film Festival 2012; Beste Nachwuchsregie – Valladolid International Film Festival 2012