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MEDUZOT

JELLYFISH – VOM MEER GETRAGEN

R: Shira Geffen & Etgar Keret

Im mehrfach ausgezeichneten Filmerstling des Regieduos Shira Geffen & Etgar Keret driften drei Frauen traumwandlerisch durch das moderne Tel Aviv: Keren bricht sich auf der eigenen Hochzeitsfeier ein Bein. Aus honeymoon in der Karibik werden Flitterwochen in der Heimatstadt Tel Aviv. Die Begegnung mit einer geheimnisvollen Dichterin eröffnet ihr ein Stück ihres eigenen unbekannten Selbsts. Die chaotische Batya wiederum, trifft auf ein kleines Mädchen, das aus dem Meer zu kommen scheint und eine innere Reise in die eigene Kindheit in ihr auslöst. Und Joy, eine philippinische Pflegerin, die beinah an ihrer Einsamkeit in Tel Aviv und ihrer Sehnsucht nach der Heimat zerbricht, wird zur Vermittlerin der Versöhnung zwischen einer älteren Dame und deren exzentrische Tochter.
Trotz unterschiedlicher Lebenssituationen werden alle drei Protagonistinnen von ähnlichen Ängsten und Wünschen getrieben, vom Verlangen nach Kommunikation, der Überwindung ihrer inneren Einsamkeit. „Sie bewegen sich wie Quallen fort, ohne ihr Leben kontrollieren zu können. Die unterirdischen Strömungen, die sie vorantreiben, kommen aus der Vergangenheit, von traumatischen oder stereotypen Erfahrungen. Einigen von ihnen wird es am Ende des Films gelingen, sie zu überwinden.“ (Geffen & Keret) Das Meer ist in diesem rätselhaften und poetischen Episodenfilm nicht nur Symbol für das Unbewusste, sondern auch jenes bindende Element, das die unterschiedlichen Geschichten zusammenhält. Für das israelische KünstlerInnenpaar Geffen & Keret ist es darüber hinaus „ein Zufluchtsort, ein Ausweg oder ein tröstender Halt“ in der „heutigen, so angespannten israelischen Realität, [die] von Gewalt, Misstrauen und extremistischen Ideologien geprägt [ist].“
MEDUZOT wurde 2007 in Cannes gefeiert und als bester Debütfilm mit der Caméra d'Or ausgezeichnete. „Beide führen zum ersten Mal Filmregie, und das Ergebnis sieht aus, als hätten sie nie etwas anderes getan.“ (Szene Hamburg)
„Leiser Humor macht einen atemberaubenden Kinotraum perfekt, welcher nur einen einzigen Makel besitzt – er ist zu kurz. Man möchte mehr Zeit mit diesen Menschen verbringen, mehr über sie erfahren, mehr Anteil nehmen, mehr, viel mehr ...“ (Player Leipzig)

Auszeichnungen: Camera d’Or & SACD Screenwriting award – Cannes Film Festival / Sémaine de la Critique (2007); Prize of the Ecumenical Jury & Special Mention – Bratislava International Film Festival (2007)

Israel / Frankreich 2007; Regie: Shira Geffen und Etgar Keret; Drehbuch: Shira Geffen; Kamera: Antoine Héberlé; Musik: Christopher Bowen & Grégoire Hetzel, Corinne Allal; DarstellerInnen: Sarah Adler (Batya), Ma-nenita De Latorre (Joy), Noa Knoller (Keren), Nikol Leidman (kleines Mädchen), Gera Sandler (Michael), Ilanit Ben Ya´akov (Galia), Zharira Charifai (Malka), u.a.m. (35mm; 1:1,85; Dolby SR/SRD; Farbe; 78 min; hebräische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN). Shira Geffen (geb. 1971 in Tel Aviv): Regisseurin und Drehbuchautorin, sie ist im In- und Ausland vor allem für ihre Kinderbücher bekannt. Für den Film THREE TOWERS (2006) hat sie das Drehbuch verfasst. Als Schauspielerin war sie zuletzt 2000 in TOTAL LOVE von Masheshu Totali zu sehen. 1998 spielte sie in der Fernsehserie TWENTYSOMETHING mit. Etgar Keret (geb. 1967 in Tel Aviv): bekannter israelischer Comic-Autor und Schriftsteller. Zu seinen Werken zählen die Bücher "Der Busfahrer, der Gott sein wollte", "Gaza Blues", "Mond im Sonderangebot – 33 Short Stories" und "Missing Kissinger". In JELLYFISH führte er, nach seinem Kurzfilm OBERFLÄCHLICH (1996), zum zweiten Mal Regie. Zuvor hat er zahlreiche Drehbücher verfasst.