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VÝLET

SOME SECRETS

R: Alice Nellis

In einem alten Škoda und einem neuen VW brechen vier Generationen im tschechischen Rakovnik zu einem Familienausflug der besonderen Art auf. Die Urne mit der Asche des vor sechs Monaten verstorbenen Familienoberhaupts soll in seine slowakische Heimat gebracht werden. Mit von der Partie auf der Fahrt Richtung Osten sind: die Witwe Milada, ihre zwei erwachsenen Töchter – Zuzana (unzufrieden in Beruf und im Begriff sich scheiden zu lassen) und die hochschwangere Ilona –, die temperamentvolle Großmutter (die davon träumt noch einmal in ihren slowakischen Geburtsort zu fahren), der wohl allzu nette Schwiegersohn Pavel und der kleine Leon.
Aus der mehr oder weniger faden Familienpflicht wird eine skurrile Reise, die so einiges Unvorhergesehene mit sich bringt: abseits des Familienalltages werden unterschwellige Konflikte sichtbar, Vergessenes/Verdrängtes kommt an die Oberfläche, kleine Geheimnisse und das, was scheinbar verheimlicht werden musste, tritt zu Tage. Aber auch tragikomische Spannungen im Binnenverhältnis der nunmehr durch eine Staatsgrenze getrennten einstigen Tschechoslowakei sind Teil dieses Familienausfluges. Am Ende der Reise sind viele Probleme und Konflikte gelöst und die Familie ist erleichtert, dass die Geheimniskrämerei vorbei ist. Aber schon beginnt die jüngste Generation neue, kleine Geheimnisse zu hüten...
Trotz der Thematik ist VÝLET alles andere als schwermütig. VÝLET besticht nicht nur durch heitere Gelassenheit, Humor und Ironie (skurrilen Situationen, grotesken Auseinandersetzungen und subtile Karikierung der Charaktere), sondern auch durch die Schauspielleistungen und die filmische Herangehensweise. Mit Kamera und Licht setzt Nellis visuelle Kontraste (z.B.: Szenen in den engen Autos wechseln mit weiten Landschaftsaufnahmen) und verleiht dadurch dem Film eine besondere Poesie. Der Regisseurin Alice Nellis gelingt ein vergnügliches Road-Movie, das mit seiner Leichtigkeit und Melancholie an die Tradition der tschechischen Komödie anknüpft.
Die Regisseurin Alice Nellis (geb. 1971) zählt zu den neuen weiblichen Hoffnungen des tschechischen Films. VÝLET, brachte ihr bereits Vergleiche mit dem tschechischen Starregisseur Milos Forman ein. (vgl. www.femcities.at) Alice Nellis ist Lehrbeauftragte für Regie an der Filmhochschule FAMU.
Alice Nellis hat für ihren zweiten Spielfilm den Titel „VÝLET“ gewählt (tschech. VÝLET = Ausflug). Für den Verleih im deutschsprachigen Raum (den es hoffentlich bald geben wird) ist der Filmtitel „Familienausflug mit kleinen Geheimnissen“ vorgesehen.

Für VÝLET erhielt Nellis zahlreiche Auszeichnungen bei Internationalen Filmfestivals, unter anderen: Bester Nachwuchsfilm – San Sebastián 2002, Bestes Drehbuch und FIPRESCI Preis – Thessaloniki Filmfestival 2002, Grand Prix – Paris Film Festival 2003, Bester Feature Film – Czech Critics Award 2003, 3 Czech Lions 2003.

Alice Nellis, geb. 1971, studierte Anglistik, Amerikanistik und Querflöte in Prag. Sie war als Übersetzerin, Lehrerin, Homepage-Designerin, u.a.m. tätig. Ab 1997 studierte sie Drehbuch und Dramaturgie an der Filmhochschule FAMU, von welcher sie jedoch aufgrund mangelnder Anwesenheit flog. Mittlerweile ist sie Lehrende an der FAMU für das Fach Regie.

Filmographie:
Kurzfilme/TV-Filme und Dokumentarfilme:
1996 LES CONNOISSEURS, Kurzfilm (13 min), 1997 – DISCOVER YOUR INNER BEAUTY, Kurzfilm (15 min) und FOLLIA, Musikdoku (28 min), 1998 – GOLDEN, GOLDEN FISHES, Kurzfilm (17 min), THE HEROS OF OUR TIME, Dokumentarfilm (30 min), 2001 – CHAOS, Dokumentarfilm (57 min), u.a.m.
Spielfilme:
2000 – EENY MEENY / ENE BENE, Spielfilm (104 min)
2002 – VÝLET / SOME SECRETS, Spielfilm (100 min)

Tschechien/Slowakei 2002; Regie und Drehbuch: Alice Nellis; Kamera: Ramunas Greicius; Musik: Tomás Polák; DarstellerInnen: Nada Kotrová (Grossmutter); Iva Janurová (Mutter), Sabina Remundová (Ilona), Theodora Remundová (Zuzana), Igor Bares (Pavel), u.a.; (35mm; 1:1,85; Farbe; Dolby SRD; 100 min; tschechische ORIGINALFASSUNG MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN).