Nuovo Cinema Italia

Italienisches Kino der Gegenwart
ab 22.6.2018


Beginnzeiten werden in zeitlicher Nähe auf www.leokino.at sowie an den Spieltagen in den Tageszeitungen bekanntgegeben.
Filmtexte aus: www.cinema-italia.net
Nuovo Cinema Italia ist eine Koproduktion mit Made in Italy (Rom) und KIZ Royal Kino (Graz). In Zusammenarbeit mit Ministero per i Beni e le Attività Culturali/ Direzione Generale per il Cinema (Rom), Istituto Italiano di Cultura (Wien).

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Nuovo Cinema Italia

Fr 22.06. um 18.45 Uhr Leokino 1

FIORE

BLUME

R: Claudio Giovannesi

Die Blume der Liebe blüht auch hinter den Mauern einer Jugend­haft­an­stalt. Daphne sitzt wegen Raubüberfällen und verliebt sich in Josh, der wegen ähnlicher Delikte hier ist. Doch männliche und weibliche Insassen sind strikt voneinander getrennt. Die Gefühle, die zwischen Daphne und Josh entstehen, leben nur von ihren Blicken von einer Zelle zur anderen, von kurzen Unterhaltungen durch die Gitterstäbe und einigen heimlich geschmuggelten Briefen. Kann die Macht der Gefühle alle Mauern niederreißen? Daphne und Josh wagen einen Ausbruch.
Das Gesicht von Daphne Scoccia werden wir nicht so leicht vergessen. Sie ist die Hauptdarstellerin von FIORE und dass der Film so schön, berührend und überzeugend ist, verdankt er in großen Teilen ihr: der Zerbrechlichkeit, die sie mit ihren Augen und ihrem Mund vermittelt, dem zaghaften Lächeln, das sie nur schwer zeigen kann, ihrem Gang, der Art, wie sie raucht. Und nicht zuletzt der Wut eines Mädchens, das niemanden wirklich verletzen kann, außer sich selbst. Im Film trägt sie denselben Namen wie im wirklichen Le­­ben: Fiktion und Realität sind eng verwoben im Werk von Claudio Giovannesi, zu dessen großen Vorbildern Pier Paolo Pasolini zählt. Mit Einfachheit, aber starker Ausdruckskraft erzählt der Film von einer Liebe, die in der unromantischen Umgebung einer Jugendhaftanstalt wie ein Grashalm durch den Beton bricht. Fiore handelt von Freundschaft, von Sehnsucht, von scheinbar Verlorenen, die sich aneinanderklammern und sich von einem Zellenfenster zum anderen ineinander wiedererkennen. (Giovanni Bogani, La Nazione)

Italien 2016; Regie: Claudio Giovannesi; Buch: Claudio Giovannesi, Filippo Gravino, Antonella Lattanzi; Kamera: Daniele Ciprì; Musik: Claudio Giovannesi & Andrea Moscianese; DarstellerInnen: Daphne Scoccia (Daphne), Josciua Algeri (Josh), Laura Vasiliu (Stefania), Aniello Arena (Gessicas Vater), Gessica Giulianelli (Gessica), Klea Marku, Francesca Riso, Valerio Mastandrea u.a.; (DCP; Farbe; 110min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Nuovo Cinema Italia

Mo 25.06. um 21.00 Uhr Leokino 2

INDIVISIBILI

UNZERTRENNLICH

R: Edoardo De Angelis

Viola und Daisy sind 18, musikbegabt – und siamesische Zwillinge, die an der Hüfte zusammengewachsen sind. In ihrem Heimatort Castel Volturno bei Neapel werden sie als glückbringendes Wunder der Natur verehrt. Ihr zwielichtiger Vater nutzt ihr Talent aus, indem er sie an kirchlichen Zeremonien teilnehmen und auf Hochzeiten und Festen sentimentale Schlager singen lässt. Mit ihren Auftritten ernähren sie die ganze Großfamilie. Das geht so lange gut, bis Viola sich eines Tages verliebt und die Zwillinge herausfinden, dass sie mit einer Operation getrennt wer­den könn­ten. Doch Eltern, Verwandte, Mitbürger, sogar die katholische Kirche, alle sehen auf einmal ihre Interessen bedroht.
Mehr noch als in seiner Geschichte be­­steht die Stärke des Films INDIVISIBILE in der Präsenz von Angela und Marianna Fontana, die seit jeher so eng verbunden sind und ihre Gefühle und Freuden ebenso miteinander teilen wie ihre Gedanken und Wünsche. Es sind ihre urtümlichen Gesichter und ihr gleichzeitig kindlicher, grober und geradliniger Dialekt. Es ist der Kontrast der Einfachheit ihrer Träume und der erbarmungslosen Hässlichkeit ihrer Umgebung: schmutzige Strände, verwaiste Boote, riesige einsame Wohnblocks. Die authentische Um­gebung, die kein Drehbuchautor sich treffender ausdenken könnte, ist eine der Gemeinsamkeiten von Edoardo De Angelis’ ausdrucksstarkem Film und seinem eindeutigen Vorgänger, Marco Ferreris Klassiker LA DONNA SCIMMIA (DIE AFFENFRAU) von 1964. Es ist eine bewusste Bezugnahme, in deren Zuge der Regisseur sogar eine seiner Figuren Marco Ferreri nennt. (Fabio Ferzetti, Il Messaggero)

Italien 2017; Regie: Edoardo De Angelis; Buch: Nicola Guaglianone, Barbara Petronio & Edoardo De Angelis; Kamera: Ferran Paredes Rubio; Musik: Enzo Avitabile; DarstellerInnen: Angela Fontana (Viola), Marianna Fontana (Dasy), Antonia Truppo (Titti), Massimiliano Rossi (Peppe), Tony Laudadio (Nunzio), Marco Mario De Notasi, Gaetano Bruno u.a.; (DCP; Farbe; 102min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Nuovo Cinema Italia

Di 26.06. um 21.00 Uhr Leokino 2

LASCIATI ANDARE

LASS DICH GEHEN

R: Francesco Amato

Der Psychoanalytiker Elia erlebt täglich so viele Emotionen seiner Patienten, dass er sie im eigenen Leben lieber fernhält. Er wahrt stets professionelle Distanz, nur seine Leidenschaft zu Süßspeisen kriegt er nicht unter Kontrolle. Bald setzt ihn sein Arzt auf Diät und schickt ihn ins Fitnessstudio. Dort trifft er auf die quirlige junge Trainerin Claudia, die es eher mit dem Körperkult als mit der Seele hält und wenig Verständnis für aus der Form geratene Intellektuelle wie Elia hat. Vor allem hat sie das Talent, jeden, der ihr über den Weg läuft, in ihre persönlichen Schwierigkeiten zu verstricken. Und Claudia steckt immer in seltsamen Schwierigkeiten. Aktuell ist ihr ein jugendlicher Gangster auf den Fersen, und ehe er sich versieht, gerät Elias Leben mehr in Schwung als er sich das jemals hätte träumen lassen.
Fast schien es, als wäre die italienische Komödie ins Stocken geraten, als hätte sie ihren Biss verloren. Doch siehe da, der neue Film LASCIATI ANDARE von Francesco Amato belehrt uns eines Besseren! Die erste Neuheit finden wir bereits bei der Besetzung, nämlich mit Toni Servillo in einer humorvollen Rolle. Und dann der brillante Charakter dieser Inszenierung, die sich mit ihrem Thema des Kampfes der Geschlechter nicht so sehr auf die Tradition der italienischen, sondern eher der amerikanischen Komödie beruft. Es sind die funkensprühenden Wortgefechte von Katharine Hepburn und Carole Lombard auf der einen und Cary Grant oder Spencer Tracy auf der anderen Seite, sowie an ihre unzähligen Weiterentwicklungen und Variationen, an die wir uns unweigerlich erinnert fühlen. (Paolo D’Agostini, La Repubblica)
Eine brillante und in der aktuellen italienischen Kinolandschaft eher ungewöhnliche Komödie. LASCIATI ANDARE (Lass dich gehen) ist die Aufforderung, die der von Toni Servillo dargestellte Psychoanalytiker Elia ständig zu hören bekommt. Toni Servillo wiederum scheint in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle einige seiner ernsten Rollen aufzugreifen und sie auf (selbst)ironische Weise neu zu interpretieren. Und das Ergebnis ist wirklich beachtlich, denn an Talent zum Komischen fehlt es Servillo sicher nicht, auch wenn das Kino ihn in eine Schublade immer mehr oder weniger gleicher Figuren stecken wollte. Es ist das Verdienst von Francesco Amato, der zusammen mit seinen Autoren Francesco Bruni und Davide Lantieri alle mit dem frischen Wind überrascht hat, den dieser Film wehen lässt. (Antonello Catacchio, Il Manifesto)

Italien 2017; Regie: Francesco Amato; Buch: Francesco Bruni, Davide Lantieri & Francesco Amato; Kamera: Vladan Radovic; Musik: Andrea Farri; DarstellerInnen: Toni Servillo (Elia), Veronica Echegui (Claudia), Carla Signoris (Giovanna), Luca Marinelli (Ettore) u.a.; (DCP; Farbe; 102min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Mi 27.06. um 21.00 Uhr Leokino 2

L’ORA LEGALE

AB HEUTE SIND WIR EHRLICH

R: Salvo Ficarra & Valentino Picone

Die Kleinstadt Pietrammare in Sizilien leidet unter der Misswirtschaft des langjährigen korrupten Bürgermeisters Gaetano Patanè, der alle Tricks kennt und politische Gegner rechtzeitig auszuschalten versteht. Bei den anstehenden Wahlen traut sich einzig der integre, aber unerfahrene Lehrer Pierpaolo Natoli als Außenseiter gegen ihn anzutreten. Patanè ist siegessicher, doch das Wunder geschieht: Die Einwohner haben die Nase voll vom Sumpf der Korruption und wählen Natoli zum neuen Bürgermeister. Der hält sein Wahlversprechen und regiert die Stadt ab sofort kompromisslos nach den Prinzipien von Ordnung, Ehrlichkeit und Gesetzestreue. Das hatte natürlich niemand erwartet. Schon bald ebbt die Begeisterung der Wähler ab und die ersten Bürger fordern die Rückkehr zum alten, bequemeren System.
Welch einen Mut stellen die beiden sizilianischen Komiker Salvo Ficarra und Valentino Picone mit ihrem fünften Film L’ORA LEGALE unter Beweis! Er beginnt als Komödie und endet als politischer Film. Satire, Zitate (ein Schwertfischkopf im Bette des Paten) und Teamwork (das Duo drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern lässt dem restlichen Cast viel Spielraum) ergeben ein schonungsloses Bild davon, wie wir Italiener nach der Politik der letzten zwanzig Jahre geworden sind: jammernd, feige und ohne Ideale. Ficarra und Picone brin­g en uns zum La­­chen, sind aber auch auf eine dramatische Weise ernst, die nur den wahrhaft großen Komikern gegeben ist. (Francesco Alò, Il Messaggero)
L’ORA LEGALE spielt mit einem Paradox: wir alle betonen stets, dass sich die Regeln des Zivillebens ändern müssen. In der Praxis akzeptieren wir dies jedoch nur dann, wenn es nicht unsere eigenen Interessen behindert. Diese Komödie ist gleichzeitig eine Provokation, die uns auf komische Weise die Frage stellt, ob wir selbst uns wohl den Bürgern des sizilianischen Dorfs Pietrammare angeschlossen hätten. Eine der besten italienischen Komödien der Saison. (Maurizio Acerbi, Il Giornale)

Italien 2017; Regie: Salvo Ficarra & Valentino Picone; Buch: Salvo Ficarra, Valentino Picone, Edoardo De Angelis, Nicola Guaglianone & Fabrizio Testini; Kamera:
Ferran Paredes Rubio; Musik: Carlo Crivelli; DarstellerInnen: Salvo Ficarra (Salvo), Valentino Picone (Valentino), Leo Gullotta (Pater Raffaele), Vincenzo Amato
(Pierpaolo Natoli), Tony Sperandeo (Gaetano Patanè) u.a.; (DCP; Farbe; 92min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Do 28.06. um 21.00 Uhr Leokino 2

LA RAGAZZA DEL MONDO

DIE WELT DER ANDEREN

R: Marco Danieli

Giulia und ihre Familie leben nach den strengen Regeln und Glau­ bens­sätzen der Zeugen Jehovas. Mit ihrer Mutter Costanza zieht sie von Haus zu Haus, um neue Mitglieder anzuwerben. So lernt sie den rauen, aber attraktiven Libero kennen, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er findet bei Giulias Vater Celestino Arbeit in dessen Werkstatt. Giulia verliebt sich auf der Stelle in Libero und lernt durch ihn eine völlig andere Welt kennen. Doch die Liebe zu einem Mann, der nicht der Sekte angehört, ist verboten. Giulia ahnt, dass ihre Entscheidung schwerwiegende Konsequenzen haben wird.
LA RAGAZZA DEL MONDO, das Erst­lingswerk von Marco Danieli, ist ein starker Film, mit einer sicheren Re­­gie und einer schönen schauspielerischen Leis­tung. Allen voran die Haupt­darstellerin Sara Sar­raiocco, aber auch die anderen DarstellerInnen stellen ihr Talent unter Beweis. Angesichts des schwierigen Themas, in dem sich familiäre Dynamiken mit einem religiösen Glauben und der Zugehörigkeit zu der dominanten Welt der Zeugen Jehovas verflechten, war das nicht selbstverständlich.
Es gelingt dem Regisseur, der zusammen mit Antonio Man­ca auch der Drehbuchautor ist, die Unruhe seiner Protagonistin feinfühlig zum Ausdruck zu bringen. Ohne ihre Emotionen einzusperren, gibt er den Veränderungen Raum, die Giulia nach und nach zu der Erkenntnis ihres Wunsches führen, ein eigenes und unabhängiges Leben zu führen und die Nabelschnur zu durchtrennen, an der sie bis zu diesem Zeitpunkt hing. Um endlich in die Welt hinauszutreten. (Cristina Piccino, Il Manifesto)

Italien 2016; Regie: Marco Danieli; Buch: Marco Danieli & Antonio Manca; Kamera: Emanuele Pasquet; Musik: Umberto Smerilli; DarstellerInnen: Sara Serraiocco (Giulia), Michele Riondino (Libero), Marco Leonardi (Celestino, Giulias Vater), Stefania Montorsi (Costanza, Giulias Mutter) u.a.; (DCP; Farbe; 104min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Fr 29.06.

LA TENEREZZA

DIE ZÄRTLICHKEIT

R: Gianni Amelio

Lorenzo ist Rechtsanwalt im Ruhestand und lebt als Witwer allein in einer schönen Wohnung im Zentrum Neapels. Er versprüht stets schlechte Laune und hat sich einen emotionalen Schutzpanzer zugelegt, sicherheitshalber. Dasselbe haben seine erwachsenen Kinder getan, mit denen er möglichst wenig zu tun haben will. Als nebenan neue Nachbarn einziehen, funktioniert das mit dem Panzer nicht mehr so ganz. Lorenzo ist zu seinem eigenen Erstaunen gern bei Michela, der jungen Frau, er redet mit Fabio, ihrem Ehemann, und spielt mit den Kindern. In dieser augenscheinlich glücklichen Familie erkennt er, wie seine eigene Familie hätte sein können, aber niemals war. Doch ein schreckliches Ereignis scheint alles unwiederbringlich zu zerstören.
Die Angst, nicht geliebt zu werden, aber vor allem auch, nicht lieben zu können. Die Kraft und die Zerbrechlichkeit von Gefühlen, die häufig irrational,
grausam oder geheimnisvoll sind und die uns in Konflikte mit anderen und mit uns selbst stürzen. Dies sind die Themen, um die sich der Film LA TENEREZZA von Gianni Amelio dreht. Es ist eine per­­sönlich gefärbte Aufarbeitung des zugrundegelegten Romans „La tentazione di essere felici” von Lorenzo Marone, in welcher der Regisseur die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern reflektiert. Wie auch in seinen anderen Filmen geht es um den schwierigen Dialog der Generationen. (Alessandra De Luca, Avvenire)
Der Film handelt von der Angst, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, von der Unfähigkeit, die richtigen Worte zu finden. Natürlich kann es für einen Erwachsenen zur Neurose werden, wenn er sich darauf versteift, emotional ein bockiges Kind bleiben zu wollen: aus diesem Grund lauern in dieser Geschichte auch der Schmerz und der Tod. Und aus diesem Grund muss Lorenzo die Hölle durchqueren, um sein Paradies wiederzufinden. Oder besser noch, um eben die Erfahrung der Zärtlichkeit machen zu können. (Alberto Crespi, L’Unità)

Italien 2017; Regie: Gianni Amelio; Buch: Gianni Amelio, Alberto Taraglio, nach einem Roman von Lorenzo Marone; Kamera: Luca Bigazzi; Musik: Franco Piersanti; DarstellerInnen: Renato Carpentieri (Lorenzo), Elio Germano (Fabio), Giovanna Mezzogiorno (Elena), Micaela Ramazzotti (Michela), Greta Scacchi (Aurora), Arturo Muselli (Saverio), Giuseppe Zeno (Giulio) u.a.; (DCP; Farbe; 103min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Sa 30.06. Leokino

FIORE

BLUME

R: Claudio Giovannesi

Die Blume der Liebe blüht auch hinter den Mauern einer Jugend­haft­an­stalt. Daphne sitzt wegen Raubüberfällen und verliebt sich in Josh, der wegen ähnlicher Delikte hier ist. Doch männliche und weibliche Insassen sind strikt voneinander getrennt. Die Gefühle, die zwischen Daphne und Josh entstehen, leben nur von ihren Blicken von einer Zelle zur anderen, von kurzen Unterhaltungen durch die Gitterstäbe und einigen heimlich geschmuggelten Briefen. Kann die Macht der Gefühle alle Mauern niederreißen? Daphne und Josh wagen einen Ausbruch.
Das Gesicht von Daphne Scoccia werden wir nicht so leicht vergessen. Sie ist die Hauptdarstellerin von FIORE und dass der Film so schön, berührend und überzeugend ist, verdankt er in großen Teilen ihr: der Zerbrechlichkeit, die sie mit ihren Augen und ihrem Mund vermittelt, dem zaghaften Lächeln, das sie nur schwer zeigen kann, ihrem Gang, der Art, wie sie raucht. Und nicht zuletzt der Wut eines Mädchens, das niemanden wirklich verletzen kann, außer sich selbst. Im Film trägt sie denselben Namen wie im wirklichen Le­­ben: Fiktion und Realität sind eng verwoben im Werk von Claudio Giovannesi, zu dessen großen Vorbildern Pier Paolo Pasolini zählt. Mit Einfachheit, aber starker Ausdruckskraft erzählt der Film von einer Liebe, die in der unromantischen Umgebung einer Jugendhaftanstalt wie ein Grashalm durch den Beton bricht. Fiore handelt von Freundschaft, von Sehnsucht, von scheinbar Verlorenen, die sich aneinanderklammern und sich von einem Zellenfenster zum anderen ineinander wiedererkennen. (Giovanni Bogani, La Nazione)

Italien 2016; Regie: Claudio Giovannesi; Buch: Claudio Giovannesi, Filippo Gravino, Antonella Lattanzi; Kamera: Daniele Ciprì; Musik: Claudio Giovannesi & Andrea Moscianese; DarstellerInnen: Daphne Scoccia (Daphne), Josciua Algeri (Josh), Laura Vasiliu (Stefania), Aniello Arena (Gessicas Vater), Gessica Giulianelli (Gessica), Klea Marku, Francesca Riso, Valerio Mastandrea u.a.; (DCP; Farbe; 110min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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So 01.07. Leokino

INDIVISIBILI

UNZERTRENNLICH

R: Edoardo De Angelis

Viola und Daisy sind 18, musikbegabt – und siamesische Zwillinge, die an der Hüfte zusammengewachsen sind. In ihrem Heimatort Castel Volturno bei Neapel werden sie als glückbringendes Wunder der Natur verehrt. Ihr zwielichtiger Vater nutzt ihr Talent aus, indem er sie an kirchlichen Zeremonien teilnehmen und auf Hochzeiten und Festen sentimentale Schlager singen lässt. Mit ihren Auftritten ernähren sie die ganze Großfamilie. Das geht so lange gut, bis Viola sich eines Tages verliebt und die Zwillinge herausfinden, dass sie mit einer Operation getrennt wer­den könn­ten. Doch Eltern, Verwandte, Mitbürger, sogar die katholische Kirche, alle sehen auf einmal ihre Interessen bedroht.
Mehr noch als in seiner Geschichte be­­steht die Stärke des Films INDIVISIBILE in der Präsenz von Angela und Marianna Fontana, die seit jeher so eng verbunden sind und ihre Gefühle und Freuden ebenso miteinander teilen wie ihre Gedanken und Wünsche. Es sind ihre urtümlichen Gesichter und ihr gleichzeitig kindlicher, grober und geradliniger Dialekt. Es ist der Kontrast der Einfachheit ihrer Träume und der erbarmungslosen Hässlichkeit ihrer Umgebung: schmutzige Strände, verwaiste Boote, riesige einsame Wohnblocks. Die authentische Um­gebung, die kein Drehbuchautor sich treffender ausdenken könnte, ist eine der Gemeinsamkeiten von Edoardo De Angelis’ ausdrucksstarkem Film und seinem eindeutigen Vorgänger, Marco Ferreris Klassiker LA DONNA SCIMMIA (DIE AFFENFRAU) von 1964. Es ist eine bewusste Bezugnahme, in deren Zuge der Regisseur sogar eine seiner Figuren Marco Ferreri nennt. (Fabio Ferzetti, Il Messaggero)

Italien 2017; Regie: Edoardo De Angelis; Buch: Nicola Guaglianone, Barbara Petronio & Edoardo De Angelis; Kamera: Ferran Paredes Rubio; Musik: Enzo Avitabile; DarstellerInnen: Angela Fontana (Viola), Marianna Fontana (Dasy), Antonia Truppo (Titti), Massimiliano Rossi (Peppe), Tony Laudadio (Nunzio), Marco Mario De Notasi, Gaetano Bruno u.a.; (DCP; Farbe; 102min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Mo 02.07. Leokino

LASCIATI ANDARE

LASS DICH GEHEN

R: Francesco Amato

Der Psychoanalytiker Elia erlebt täglich so viele Emotionen seiner Patienten, dass er sie im eigenen Leben lieber fernhält. Er wahrt stets professionelle Distanz, nur seine Leidenschaft zu Süßspeisen kriegt er nicht unter Kontrolle. Bald setzt ihn sein Arzt auf Diät und schickt ihn ins Fitnessstudio. Dort trifft er auf die quirlige junge Trainerin Claudia, die es eher mit dem Körperkult als mit der Seele hält und wenig Verständnis für aus der Form geratene Intellektuelle wie Elia hat. Vor allem hat sie das Talent, jeden, der ihr über den Weg läuft, in ihre persönlichen Schwierigkeiten zu verstricken. Und Claudia steckt immer in seltsamen Schwierigkeiten. Aktuell ist ihr ein jugendlicher Gangster auf den Fersen, und ehe er sich versieht, gerät Elias Leben mehr in Schwung als er sich das jemals hätte träumen lassen.
Fast schien es, als wäre die italienische Komödie ins Stocken geraten, als hätte sie ihren Biss verloren. Doch siehe da, der neue Film LASCIATI ANDARE von Francesco Amato belehrt uns eines Besseren! Die erste Neuheit finden wir bereits bei der Besetzung, nämlich mit Toni Servillo in einer humorvollen Rolle. Und dann der brillante Charakter dieser Inszenierung, die sich mit ihrem Thema des Kampfes der Geschlechter nicht so sehr auf die Tradition der italienischen, sondern eher der amerikanischen Komödie beruft. Es sind die funkensprühenden Wortgefechte von Katharine Hepburn und Carole Lombard auf der einen und Cary Grant oder Spencer Tracy auf der anderen Seite, sowie an ihre unzähligen Weiterentwicklungen und Variationen, an die wir uns unweigerlich erinnert fühlen. (Paolo D’Agostini, La Repubblica)
Eine brillante und in der aktuellen italienischen Kinolandschaft eher ungewöhnliche Komödie. LASCIATI ANDARE (Lass dich gehen) ist die Aufforderung, die der von Toni Servillo dargestellte Psychoanalytiker Elia ständig zu hören bekommt. Toni Servillo wiederum scheint in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle einige seiner ernsten Rollen aufzugreifen und sie auf (selbst)ironische Weise neu zu interpretieren. Und das Ergebnis ist wirklich beachtlich, denn an Talent zum Komischen fehlt es Servillo sicher nicht, auch wenn das Kino ihn in eine Schublade immer mehr oder weniger gleicher Figuren stecken wollte. Es ist das Verdienst von Francesco Amato, der zusammen mit seinen Autoren Francesco Bruni und Davide Lantieri alle mit dem frischen Wind überrascht hat, den dieser Film wehen lässt. (Antonello Catacchio, Il Manifesto)

Italien 2017; Regie: Francesco Amato; Buch: Francesco Bruni, Davide Lantieri & Francesco Amato; Kamera: Vladan Radovic; Musik: Andrea Farri; DarstellerInnen: Toni Servillo (Elia), Veronica Echegui (Claudia), Carla Signoris (Giovanna), Luca Marinelli (Ettore) u.a.; (DCP; Farbe; 102min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Di 03.07. Leokino

L’ORA LEGALE

AB HEUTE SIND WIR EHRLICH

R: Salvo Ficarra & Valentino Picone

Die Kleinstadt Pietrammare in Sizilien leidet unter der Misswirtschaft des langjährigen korrupten Bürgermeisters Gaetano Patanè, der alle Tricks kennt und politische Gegner rechtzeitig auszuschalten versteht. Bei den anstehenden Wahlen traut sich einzig der integre, aber unerfahrene Lehrer Pierpaolo Natoli als Außenseiter gegen ihn anzutreten. Patanè ist siegessicher, doch das Wunder geschieht: Die Einwohner haben die Nase voll vom Sumpf der Korruption und wählen Natoli zum neuen Bürgermeister. Der hält sein Wahlversprechen und regiert die Stadt ab sofort kompromisslos nach den Prinzipien von Ordnung, Ehrlichkeit und Gesetzestreue. Das hatte natürlich niemand erwartet. Schon bald ebbt die Begeisterung der Wähler ab und die ersten Bürger fordern die Rückkehr zum alten, bequemeren System.
Welch einen Mut stellen die beiden sizilianischen Komiker Salvo Ficarra und Valentino Picone mit ihrem fünften Film L’ORA LEGALE unter Beweis! Er beginnt als Komödie und endet als politischer Film. Satire, Zitate (ein Schwertfischkopf im Bette des Paten) und Teamwork (das Duo drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern lässt dem restlichen Cast viel Spielraum) ergeben ein schonungsloses Bild davon, wie wir Italiener nach der Politik der letzten zwanzig Jahre geworden sind: jammernd, feige und ohne Ideale. Ficarra und Picone brin­g en uns zum La­­chen, sind aber auch auf eine dramatische Weise ernst, die nur den wahrhaft großen Komikern gegeben ist. (Francesco Alò, Il Messaggero)
L’ORA LEGALE spielt mit einem Paradox: wir alle betonen stets, dass sich die Regeln des Zivillebens ändern müssen. In der Praxis akzeptieren wir dies jedoch nur dann, wenn es nicht unsere eigenen Interessen behindert. Diese Komödie ist gleichzeitig eine Provokation, die uns auf komische Weise die Frage stellt, ob wir selbst uns wohl den Bürgern des sizilianischen Dorfs Pietrammare angeschlossen hätten. Eine der besten italienischen Komödien der Saison. (Maurizio Acerbi, Il Giornale)

Italien 2017; Regie: Salvo Ficarra & Valentino Picone; Buch: Salvo Ficarra, Valentino Picone, Edoardo De Angelis, Nicola Guaglianone & Fabrizio Testini; Kamera:
Ferran Paredes Rubio; Musik: Carlo Crivelli; DarstellerInnen: Salvo Ficarra (Salvo), Valentino Picone (Valentino), Leo Gullotta (Pater Raffaele), Vincenzo Amato
(Pierpaolo Natoli), Tony Sperandeo (Gaetano Patanè) u.a.; (DCP; Farbe; 92min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Mi 04.07. Leokino

LA RAGAZZA DEL MONDO

DIE WELT DER ANDEREN

R: Marco Danieli

Giulia und ihre Familie leben nach den strengen Regeln und Glau­ bens­sätzen der Zeugen Jehovas. Mit ihrer Mutter Costanza zieht sie von Haus zu Haus, um neue Mitglieder anzuwerben. So lernt sie den rauen, aber attraktiven Libero kennen, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er findet bei Giulias Vater Celestino Arbeit in dessen Werkstatt. Giulia verliebt sich auf der Stelle in Libero und lernt durch ihn eine völlig andere Welt kennen. Doch die Liebe zu einem Mann, der nicht der Sekte angehört, ist verboten. Giulia ahnt, dass ihre Entscheidung schwerwiegende Konsequenzen haben wird.
LA RAGAZZA DEL MONDO, das Erst­lingswerk von Marco Danieli, ist ein starker Film, mit einer sicheren Re­­gie und einer schönen schauspielerischen Leis­tung. Allen voran die Haupt­darstellerin Sara Sar­raiocco, aber auch die anderen DarstellerInnen stellen ihr Talent unter Beweis. Angesichts des schwierigen Themas, in dem sich familiäre Dynamiken mit einem religiösen Glauben und der Zugehörigkeit zu der dominanten Welt der Zeugen Jehovas verflechten, war das nicht selbstverständlich.
Es gelingt dem Regisseur, der zusammen mit Antonio Man­ca auch der Drehbuchautor ist, die Unruhe seiner Protagonistin feinfühlig zum Ausdruck zu bringen. Ohne ihre Emotionen einzusperren, gibt er den Veränderungen Raum, die Giulia nach und nach zu der Erkenntnis ihres Wunsches führen, ein eigenes und unabhängiges Leben zu führen und die Nabelschnur zu durchtrennen, an der sie bis zu diesem Zeitpunkt hing. Um endlich in die Welt hinauszutreten. (Cristina Piccino, Il Manifesto)

Italien 2016; Regie: Marco Danieli; Buch: Marco Danieli & Antonio Manca; Kamera: Emanuele Pasquet; Musik: Umberto Smerilli; DarstellerInnen: Sara Serraiocco (Giulia), Michele Riondino (Libero), Marco Leonardi (Celestino, Giulias Vater), Stefania Montorsi (Costanza, Giulias Mutter) u.a.; (DCP; Farbe; 104min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



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Nuovo Cinema Italia

Do 05.07. Leokino

LA TENEREZZA

DIE ZÄRTLICHKEIT

R: Gianni Amelio

Lorenzo ist Rechtsanwalt im Ruhestand und lebt als Witwer allein in einer schönen Wohnung im Zentrum Neapels. Er versprüht stets schlechte Laune und hat sich einen emotionalen Schutzpanzer zugelegt, sicherheitshalber. Dasselbe haben seine erwachsenen Kinder getan, mit denen er möglichst wenig zu tun haben will. Als nebenan neue Nachbarn einziehen, funktioniert das mit dem Panzer nicht mehr so ganz. Lorenzo ist zu seinem eigenen Erstaunen gern bei Michela, der jungen Frau, er redet mit Fabio, ihrem Ehemann, und spielt mit den Kindern. In dieser augenscheinlich glücklichen Familie erkennt er, wie seine eigene Familie hätte sein können, aber niemals war. Doch ein schreckliches Ereignis scheint alles unwiederbringlich zu zerstören.
Die Angst, nicht geliebt zu werden, aber vor allem auch, nicht lieben zu können. Die Kraft und die Zerbrechlichkeit von Gefühlen, die häufig irrational,
grausam oder geheimnisvoll sind und die uns in Konflikte mit anderen und mit uns selbst stürzen. Dies sind die Themen, um die sich der Film LA TENEREZZA von Gianni Amelio dreht. Es ist eine per­­sönlich gefärbte Aufarbeitung des zugrundegelegten Romans „La tentazione di essere felici” von Lorenzo Marone, in welcher der Regisseur die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern reflektiert. Wie auch in seinen anderen Filmen geht es um den schwierigen Dialog der Generationen. (Alessandra De Luca, Avvenire)
Der Film handelt von der Angst, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, von der Unfähigkeit, die richtigen Worte zu finden. Natürlich kann es für einen Erwachsenen zur Neurose werden, wenn er sich darauf versteift, emotional ein bockiges Kind bleiben zu wollen: aus diesem Grund lauern in dieser Geschichte auch der Schmerz und der Tod. Und aus diesem Grund muss Lorenzo die Hölle durchqueren, um sein Paradies wiederzufinden. Oder besser noch, um eben die Erfahrung der Zärtlichkeit machen zu können. (Alberto Crespi, L’Unità)

Italien 2017; Regie: Gianni Amelio; Buch: Gianni Amelio, Alberto Taraglio, nach einem Roman von Lorenzo Marone; Kamera: Luca Bigazzi; Musik: Franco Piersanti; DarstellerInnen: Renato Carpentieri (Lorenzo), Elio Germano (Fabio), Giovanna Mezzogiorno (Elena), Micaela Ramazzotti (Michela), Greta Scacchi (Aurora), Arturo Muselli (Saverio), Giuseppe Zeno (Giulio) u.a.; (DCP; Farbe; 103min; italienische ORIGINALFAS­SUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).



 

 

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