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ORLANDO

R: Sally Potter

Um 1600 befindet sich der englische Edelmann Orlando am Hofe von Königin Elizabeth I. Die greise Königin fleht den schönen Jüngling an: „Verblühe nicht, welke nicht, werde nicht alt.” – der Beginn einer unvergleichbaren Zeitreise:
Zuerst als Mann, dann als Frau durchlebt Orlando die vier Jahrhunderte zwischen der höfischen Zeit Elisabeth I. und dem London des frühen 20. Jahrhunderts. Als Orlando nach 200 Jahren im Istanbul des beginnenden 18. Jahrhunderts über Nacht zur Frau wird, scheint die Verwandelte darüber nicht allzu erstaunt zu sein. Sie betrachtet sich im Spiegel, dreht sich zur Kamera (und blickt somit durch diese auf den/die Zuschauer/in) und meint: „Die gleiche Person. Überhaupt kein Unterschied. Nur ein anderes Geschlecht.” Aber macht es tatsächlich keinen Unterschied, Mann oder Frau zu sein?
In ORLANDO wird auf ironisch-kritische Weise die restriktive Festlegung auf eine Geschlechtsidentität (nicht zuletzt durch ‚cross-casting’) in Frage gestellt und die normative Macht von Geschlechterhierarchien thematisiert. Sally Potters ORLANDO basiert auf dem gleichnamigen Roman der englischen Schriftstellerin, Kritikerin und Essayistin Virginia Woolf. „Orlando. A Biography”, 1928 veröffentlicht, ist ein surreales, feinsinniges und ideenreiches Werk, das der Filmemacherin und Performancekünstlerin Sally Potter als Vorlage für ihre eigene Biographie Orlandos dient. Potter führt die im Roman 1928 endende Handlung bis in die Gegenwart (1992) weiter. Ihr gelang nicht nur eine schlüssige inhaltliche Adaption des Romans, sondern auch eine eigene ästhetische Komposition. Der suggestive Text Woolfs wird von Potter nicht zuletzt durch die hohe Schauspielkunst (insbesondere Tilda Swinton als Orlando) in eine nicht minder poetische Bildsprache übersetzt.
Virginia Woolf (1882-1941), eine der bedeutendsten Autorinnen der klassischen Moderne, verlieh der Literaturtheorie wichtige Impulse. Sie lieferte zentrale feministische Texte des 20. Jahrhunderts und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Emanzipation der Frau. Vor 65 Jahren nahm sich Virginia Woolf das Leben. Knapp 50 Jahre nach ihrem Tod verfilmte Sally Potter auf faszinierende Weise Woolfs Roman.

Großbritannien, Russland, Frankreich, Italien, Niederlande 1992; Regie: Sally Potter; Drehbuch: Sally Potter - nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf; Kamera: Alexei Rodionov; Musik: David Motion, Sally Potter; DarstellerInnen: Tilda Swinton (Orlando), Quentin Crisp (Elisabeth I), Lothaire Bluteau (Kane), Charlotte Valandrey (Prinzessin Sasha), Heathcote Williams (Dichters Nick Greenes), u.a.m. (35mm; 1:1,85; Farbe; 93 min, englische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


  
Filmplakat