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Keine Spielzeit in dieser Woche


ZAUBERER

R: Sebastian Brauneis

Die ersten Bilder tragen den Widerspruch dieser Erzählung bereits in sich: Rot glühend, siedend heiß beginnt ein Film der erkalteten Ge­fühle, mit Szenen aus einem Stahlwerk; die Flammen züngeln und die Funken regnen, flüssiges Metall scheint über die Oberfläche der Kin­o­leinwand zu strömen. Die Menschen sind hier nur noch anonyme Grö­ßen in schweren Schutzanzügen, Randfiguren eines unaufhaltsamen Herstellungsprozesses.
Um das Sehen und seinen Verlust geht es in ZAUBERER, um die sonderbaren Ergebnisse erhöhter sinnlicher Wahrnehmung und voyeuristischer Insistenz, aber eben auch um die digitale Ersatz­kommu­nikation, um all die Erregungs- und Täuschungsmanöver, die Kontakt-, Unterhaltungs- und Dokumentations-Optionen, die wir an unsere Mobiltelefone delegieren. Der unschuldige, verwunderte Blick eines Buben, dem hier Übles widerfährt, ist das moralische Zentrum der Story. Sein Blick fällt auf die verbitterte Frau, die ihn belogen und entführt hat; der Blick des Films entspricht der kindlichen Arg- und Ratlosigkeit dieses Kindes, als staunte die Inszenierung selbst über die abgründigen Handlungsfäden, die in ihr lakonisch ineinander verwoben werden.
ZAUBERER ist reich an exzentrischen Charakteren, drastischen Bil­dern und absurden Dialogen. Die Leerläufe der Kommunikation weisen bereits auf die „Perversionen” voraus, die zuverlässig ins Auge gefasst werden: Eine Mutter hegt die Sehnsucht, ihren im Wachkoma liegenden Sohn zu erotisieren; ein Schüler gibt sich telefonisch als gepeinigtes Kind einer fiktiven, jederzeit verfügbaren Sexpartnerin aus; die Men­schen verstümmeln sich selbst, weisen die eigene Schuld anderen zu, verstricken sich in Aberglauben und Apokalypsenangst. Sie sind Teil einer Choreografie des Zufalls, die aus ominösen Andeu­tungen, As­so­ziationen und Mysterien gebaut ist. (aus: „Fragmente einer Chro­no­lo­­gie der zufälligen Verstrickung” von Stefan Grissemann)

Österreich/Schweiz 2018; Regie: Sebastian Brauneis; Buch: Clemens Setz & Sebastian Brauneis, Nicholas Ofczarek; Kamera: Roman Chalupnik; Musik: Wolfram Eckert; DarstellerInnen: Annamaria (Michaela Schausberger), Manuela (Sarah Viktoria Frick), Tommy (Nono Bangert), Nina (Saskia Klar), Ulrich (Nicholas Ofczarek), Agathe (Tamara Metelka), Jeff (Lukas Watzl), Tänzerin „Chopin” (Christina Zauner), Tänzerin „Muse” (Angelika Ratej), Direktor (Gerhard Kasal) u.a.; (DCP; Farbe; 106min).


  
Filmplakat