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Keine Spielzeit in dieser Woche


QUELLMALZ

R: Mike Ramsauer

Alfred Quellmalz war ein Musikwissenschaftler im Dienste der Nazis. Mit einer speziellen „Südtirol Expedition” reiste er 1940 nach Südtirol, um dort für das sogenannte „SS-Ahnenerbe” die urtümlichen Lieder der „Volksdeutschen” mit einem Magnetophon zu erforschen.
QUELLMALZ behandelt nun das problematische musikalische Erbe dieser Sammlung. Anhand vieler doppelt und dreifach überlagerter Zeitdokumente erzählt Mike Ramsauer von der braunen Ideologie hinter dieser bis heute verwendeten Liedersammlung. Geschickt lässt er Alfred Quellmalz selbst zu Wort kommen, indem er Texte aus dem Nachlass mit dem reichhaltigen Ton- und Bild-Material verbindet und mit knappen Zwischentiteln kontextualisiert. Darin präsentiert sich der nach einer kurzen Entnazifizierungspause hochdekorierte Doktor Quell­malz als opportunistischer Mitläufer des Naziregimes, der in Süd­tirol fernab der Weltkriegs-Front arische Musikethnologie und „Heimat­forschung” im Auftrag der SS betreibt. Von fremden deutschen und heimischen Südtiroler Nazis gleichermaßen usurpiert, wur­de die Heimat zum braunen Kampfbegriff gemacht und zur Schick­salsentscheidung der Dableiber und Optanten. Es blieb eine Wunde Heimat, die bis heute nicht aufgearbeitet und verheilt ist. Ein Doku­mentarfilm, der nicht nur Südtirol einen Spiegel vorhält, sondern mit alten Nazi-Kli­schees aufräumt, was uns „Heimat” sein soll. Der Film spannt auch den Bogen ins Heute: Noch lebende Sänger und Mu­sikanten von damals kommen zu Wort und werden in beeindruckenden Porträts ihren historischen Fotos gegenübergestellt.
(Marian Wilhelm, Dolomiten)
Mike Ramsauer: „Ich wollte die authentischen Briefzitate benutzen, um diese Geschichte zu erzählen. Logischerweise mit meinem Blick auf die Dinge, was ich wichtig und interessant finde. Aber mit Quell­malz’ eigenen Worten. Da bekommt man recht schnell ein Bild dieser Person. Man hat das Gefühl, man liest im Tagebuch. Diesen Eindruck wollte ich im Film weitergeben.”

Italien 2017; Regie, Kamera & Schnitt: Mike Ramsauer; Musik: Volks­musik­grup­pe „Südtiroler 6er Musig”; Mitwirkende: Klara Bacher, Rita Kastl, Maria Clara, Sepp Premstaller, Maria Sigmund, Johann Solderer, Brigitta Thaler, Emma Thaler, Frieda & Rosa Unterkircher, Waldtuterspieler, Albert Untersalm­berger, Klaus Walter, Michael Stauder; (DCP; 1:2,39; Farbe; 68min; deutsch-südtirolerisch-ladinische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


  
Filmplakat