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EL BOSCO - EL JARDÍN DE LOS SUEÑOS

HIERONYMUS BOSCH - GARTEN DER LÜSTE

R: José Luis López-Linares

Nicht einmal eine Infrastrukturanalyse vermag die Rätsel, die uns der niederländischen Renaissancemaler Hieronymus Bosch aufgab, zu lösen. Das acht Quadratmeter große Tryptichon „Der Garten der Lüste” (entstanden um 1503), das im Prado in Madrid hängt, ist The­ma der Analyse. Es kommen tausende Besucher täglich, um das Ge­heim­nis zu entschlüsseln. Nicht so leicht, wie der Kunsthistoriker Rein­­dert L. Falkenburg behauptet, der das realitätsabgewandte Tryp­tichon als offenes Kunstwerk bezeichnet, welches das höfisches Pub­li­kum des angehenden 16. Jahrhunderts irritieren sollte.
José Luis López-Linares macht auf die Zeitlosigkeit des monumentalen Kunstwerks aufmerksam nicht nur mittels des Soundtracks sondern auch der Aussagen der Interviewpartner. López-Linares ließ sich auf Grund der Lektüre der Interpretationen des Kunsthistorikers Fal­ken­burg dermaßen begeistern, dass er seinen fünften Film im Prado zu drehen begann. Entstanden ist eine unglaublich wunderbare Bild­be­schreibung, die Details interpretiert. Der linke Flügel, „Das irdische Paradies” genannt, stellt die Quintessenz der Bosch’schen Dia­lek­tik dar, der „Garten der Lüste” das zentrale Gleichnis aller Schuld und kommt durchaus der balzac’schen menschlichen Komödie gleich und der rechte Rand „Die Hölle” könnte auch eine Bebilderung Dan­tes „Divina comedia” sein. Nur aus Boschs Hölle scheint es keinen Aus­weg zu geben und das Paradies malt er als Vergangenheit, also bleibt uns der Garten der Lüste. Und der ist mit viel Fantasie gestaltet. Kleine Spatzen schauen hinunter auf Menschenzwerge, gevögelt wird in Cozze-Schalen.
Bosch war gut gebildet, hat wahrscheinlich viel gesehen und hatte reichlich obszöne Fantasie. Alle sind nackert und führen ein frivoles Leben, möchte man meinen. Man taucht tief ein in anthropologische Landschaften und in Himmel & Hölle Spiele. Er hat viel vorweggenommen, was da noch kommen sollte. Wir stehen vor einer Ge­schich­te der Menschheit. Es wird immer wieder auf die In­no­va­tivität von Hieronymus Bosch hingewiesen, aber ist’s nicht der Traum, der so nah am wirklichen Leben ist, der uns als Betrachter Bosch’scher Vor­stel­lungskraft immer noch und immer wieder fasziniert. Bosch konnte weder von der Französischen Revolution, noch vom Marxismus geändert werden. Er hat auch Auschwitz überlebt, so ein Statement im Film. Des Rätsels Lösung? Vielleicht gibt es Engel und Monster. Und wahrscheinlich ist’s besser, wir wissen wenig über den „Lustgärtner und Höllenforscher” (Die Zeit), 500 Jahre nach seinem Tode.
(nach: Helmut Groschup, Dolomiten)

Spanien/Frankreich 2016; Regie & Kamera: José Luis López-Linares; Buch & Schnitt: Cristina Otero Roth; Schnitt: Pablo Blanco Guzmán; Mitwirkende: Miguel Barceló, Guo-Qiang Cai, William Christie, Michel Onfray, Salman Rushdie, Orhan Pamuk; (DCP; 1:1,85; Farbe; 86min; spanische ORIGINAL­FASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


  
Filmplakat