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SAMT EL QUSUR / LES SILENCES DU PALAIS

DAS SCHWEIGEN DES PALASTES

R: Moufida Tlatli

Die mittlerweile erfolgreiche Sängerin Alía reist zurück in das Reich ihrer Kindheit, aus dem sie als junges Mädchen geflohen war. Im Palast des Prinzen Sid´Alí kam sie als uneheliche Tochter einer Dienerin am gleichen Tag wie die Prinzentochter zur Welt. Soziale Hierarchien sowie die Hierarchien zwischen Männern und Frauen sind ihr seit frühester Kindheit vertraut. Sie kennt den Platz, der ihr gesellschaftlich zugewiesen wird, dennoch schafft sie es, sich ihren eigenen zu erkämpfen.
„Aus dem Blickwinkel eines Kindes habe ich versucht, die Welt der orientalischen Fürsten und die von ihnen ausgehende Ungerechtigkeit darzustellen, die vom Glanz einer Jahrtausend alten dekadenten Kultur verstellt ist. Obwohl es das Schicksal des Kindes ist, seiner Mutter in die Sklaverei zu folgen, wollte ich auch die Fähigkeit der Frauen, mit diesen Bedingungen zu brechen, zeigen. Alía ist die erste aus ihrer Familie, die es wagt, sich selbst zu behaupten.” (Moufida Tlatli)
Neben der Sprache der Herrschenden – dem Französischen – und der Sprache der Beherrschten – dem Arabischen – üben sich die Frauen im passiven, stillen Erdulden: „Die einzige Regel, die wir hier lernen, ist das Schweigen“, sagt eine der Dienerinnen, eine andere: "Unser Leben ist eine Ausgangssperre". Moufida Tlatli, die diesen Film ihrer Mutter gewidmet hat, überschreitet die Sperre und bricht das Schweigen durch ein Kino der Blicke und Gesten, voll subtiler Poesie. "Alltäglich ist dieser Blick einer Tunesierin auf die gesellschaftlichen Verhältnisse fürwahr nicht. Die junge Frau und das Männerorchester, die motivische Montage in einem freien Zeitenfluss, die schwachen Männer, die das Sagen nur durch Wahren der Hierarchie innehalten, das Bild der Berührung durch das vergitterte Fenster: Das sind Momente, die nachhallen aus einem Film, der seine Kraft just aus der Schweigsamkeit bezieht und damit das Schweigen bereits unübersehbar durchbricht." (Walter Ruggle in: www.trigon-film.org)
Moufida Tlatli wurde 1946 in Tunis geboren, studierte am IDHEC in Paris, arbeitete als Cutterin in Frankreich und Tunesien. Seit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debüt zählt sie neben Nacer Khemir und Férid Boughedir zu den wichtigsten tunesischen Filmschaffenden.
Auszeichnungen: Golden Camera / Special Mention – Cannes Film Festival 1994; Tanit d´Or – Carthage Film Festival 1994; Golden Tulip – Istanbul International Film Festival 1995; International Critics´ Award (FIPRESCI) – Toronto International Film Festival 1994; Sutherland Trophy – British Film Institute Award 1995

Tunesien 1994; Regie: Moufida Tlatli; Drehbuch: Moufida Tlatli und Nouri Bouzid; Schnitt: Moufida Tlatli,Camillie Cotte und Karim Hammouda; Kamera: Youssef Ben Youssef; Musik: Anouar Brahem; DarstellerInnen: Amel Hedhili (Khedija), Hend Sabri (Alía als Kind), Ghalia La-croix (erwachsene Alía), Najia Ouerghi (Khalti Hadda), Sami Bouajila (Lofti) u.a.; (35mm; 1:1,66; Farbe; 127min; arabische und französische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN)